Newsnational Sonntag, 29.07.2012 |  Drucken

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Zeit der Reflektion - Gastbeitrag von US-Botschafter Philip D. Murphy

Die Zeit des Ramadan erinnert uns daran, wie wichtig es ist, sich persönlich gegen die Kräfte zu wenden, die unsere Bande des Mitgefühls und der Mitmenschlichkeit lösen

In diesem Jahr beginnt der muslimische Fastenmonat Ramadan im Juli, der uns als ruhiger Sommermonat Zeit zur Reflexion geben sollte.   Diese Ruhe wurde am 20. Juli aber jäh unterbrochen, als ein einzelner bewaffneter Attentäter in einem Kino in Aurora (Colorado) zwölf Menschen tötete und 58 weitere verletzte. Dieser Vorfall erinnerte uns an einen anderen, schrecklichen Tag im Juli des vergangenen Jahres, als ein anderer bewaffneter Attentäter in Norwegen 77 unschuldigen Menschen das Leben nahm.   Obwohl zwischen beiden Vorfällen ein Jahr und ein Ozean liegen, haben sie eines gemeinsam: den einzelnen bewaffneten Attentäter.  

Der entfremdete Einzelgänger, der gegen zahlreiche Menschen gewalttätig wird, ist ein Extremfall. Es bedarf aber keines extremen Falles wie diesem, um zu erkennen, wie fremd wir einander dieser Tage geworden sind. Fast niemand hat mehr Zeit oder kann einer Sache ungeteilte Aufmerksamkeit widmen. Ständig hört man davon, erreichbar sein zu müssen – aber nur selten erreichen wir einander wirklich. Angesichts der wachsenden Anforderungen scheint es manchmal schier unmöglich, unserem ebenso starken Bedürfnis nach innerer Einkehr, Gemeinschaft und Sinngebung nachzukommen.  

Die Zeit des Ramadan erinnert uns daran, wie wichtig es ist, sich persönlich gegen die Kräfte zu wenden, die unsere Bande des Mitgefühls und der Mitmenschlichkeit lösen. Das beste Mittel gegen Entfremdung ist die bewusste Entscheidung, sich einer Sache zu widmen, die größer ist als das Individuum, wie beispielsweise die Familie, die Gemeinschaft oder der Glaube.  

Die Lehren des Ramadan bieten uns ein Modell dafür, wie man sich auf alle drei Dinge konzentrieren kann. Die außerordentliche Selbstdisziplin in dieser Zeit, die Bedeutung von Wohltätigkeit, Gebeten und Familie helfen uns dabei, Zwietracht hinter uns zu lassen und uns auf unsere Gemeinsamkeiten als Menschen zu besinnen.   Andere Religionen weisen ähnliche Ausdrucksformen auf. Wir erkennen sie in der Hartnäckigkeit und im Optimismus von aktiven Mitgliedern der Gemeinschaft, Lehrern, Ärzten und Eltern, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Welt für alle ein Stückchen besser zu machen.  

Im Angesicht des Schreckens fühlt man sich schnell hilflos. Es gibt keinen Zauberstab, der alle sozialen Probleme verschwinden lässt, oder der uns die Opfer aus Colorado und Norwegen wieder zurückbringt.  

Dennoch steht es aber in unserer Macht, die kleinen Schritte zu unternehmen, die – wenn man sie gemeinsam geht – große Veränderungen herbeiführen können. Unseren muslimischen Freunden wünsche ich Ramadan Mubarak. Vielen Dank für dieses Geschenk – für diese Zeit der Reflektion und Erneuerung.





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