Newsinternational Sonntag, 30.11.2025 |  Drucken

Gemeinsame osmanisch-arabische Geschichte sichtbarer machen

Wiederbelebung der Hedschasbahn – Ein historisches Projekt als Chance für eine vernetzte muslimische Welt

Ein Jahrhundert nach ihrem Niedergang erlebt die legendäre Hedschasbahn neue Aufmerksamkeit: Die Regierungen der Türkei, Syriens und Jordaniens haben beschlossen, Teile der historischen Strecke wiederherzustellen und grenzüberschreitenden Bahnverkehr zu ermöglichen. Das Projekt weckt nicht nur nostalgische Erinnerungen an die Zeit des frühen 20. Jahrhunderts, sondern gilt heute als mögliches Symbol für wirtschaftliche und politische Annäherung in einer vielschichtigen und oft fragmentierten Region.Die ursprüngliche Hedschasbahn wurde unter dem Osmanischen Reich gebaut und verband Istanbul über Damaskus mit Medina. Sie sollte Pilgerfahrten erleichtern, Handel ermöglichen und entfernte Provinzen stärker miteinander verbinden. Der Erste Weltkrieg und spätere politische Umbrüche führten jedoch dazu, dass große Teile der Strecke stillgelegt und teilweise zerstört wurden; viele Abschnitte verfielen über Jahrzehnte.Nun soll ein neues Kapitel beginnen.

Im Herbst 2025 vereinbarten die Verkehrsminister der drei beteiligten Staaten ein Memorandum of Understanding, das den Wiederaufbau und die Modernisierung wichtiger Teilstrecken vorsieht. Besonders entscheidend ist die Schließung einer rund 30 Kilometer langen Lücke im syrischen Abschnitt. Gelingt dies, könnte bereits 2026 eine direkte Verbindung zwischen Damaskus und Amman wieder in Betrieb gehen – etwas, das seit Jahrzehnten undenkbar schien.Die wirtschaftliche Bedeutung eines solchen Projekts wäre erheblich. Kürzere Transportzeiten, neue Frachtkapazitäten und eine verbesserte Mobilität könnten sowohl dem syrischen Wiederaufbau zugutekommen als auch Jordanien als logistischen Knotenpunkt stärken.Gleichzeitig könnte die Reaktivierung historischer Bahnhöfe touristisches Potenzial freisetzen und die gemeinsame osmanisch-arabische Geschichte sichtbarer machen.



Politisch wäre die Bahnlinie ein bemerkenswertes Signal. In einer Region, die oft von Konflikten, Grenzschließungen und geopolitischer Konkurrenz geprägt ist, steht ein solches Infrastrukturprojekt für Dialog und Zusammenarbeit. Die Hedschasbahn, einst ein Symbol muslimischer Verbundenheit, könnte damit im 21. Jahrhundert wieder zu einem Zeichen der Annäherung werden.Gleichwohl bleiben Herausforderungen bestehen. Die Finanzierung ist noch nicht vollständig geklärt, und Syriens Infrastruktur ist durch den langen Bürgerkrieg stark geschädigt. Zudem ist ungewiss, ob der langfristige Ausbau über Jordanien hinaus – etwa Richtung Saudi-Arabien – politisch realisierbar sein wird.Trotz dieser offenen Fragen überwiegt in vielen Kommentaren die Hoffnung: Die Wiederbelebung der Hedschasbahn könnte nicht nur alte Gleise, sondern auch verloren geglaubte Verbindungen wieder herstellen – wirtschaftlich, kulturell und zwischenmenschlich. Ein Projekt, das weit über den Transport hinausweist und in einer gespaltenen Welt an eine gemeinsame Vergangenheit erinnert, während es gleichzeitig neue Wege in die Zukunft eröffnet.


und Bild oben von der Ausstellung.




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