Leserbriefe Dienstag, 25.11.2008 |  Drucken

Leserbriefe



Rudolf Reshad Steinmetz schrieb:
Leserbrief zu:"Rom: Neues Kapitel im Christlich-Islamischen Dialog"


Ob dieser Papst Benedikt XVI. tatsächlich die "Kehre im Denken", d.h. den aufrichtigen, monotheistischen Schulterschluß mit dem Islam tatsächlich möchte, bleibt fraglich (siehe: www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=243145 sowie: http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-468/_nr-1049/i.html) seine Regensburger Rede war eine kalkulierte Provokation des Islams zwecks Legitimierung seines römischen Machtanspruches, und dies mittels verfälschter Zitate (siehe: Kurt Flasch, Die Vernunft ist keine Jacke Religion und Gewaltbereitschaft: Papst Benedikt hat in Regensburg nicht nur missverständlich zitiert - sondern schlichtweg falsch, Berliner Zeitung 22.09.2006).

Gemessen an den geschichtlichen Fakten ist diese imperiale Geste Ratzingers ziemlich lächerlich (siehe: Kurt Flasch, Meister Eckhart, Die Geburt der "Deutschen Mystik" aus dem Geist der arabischen Philosophie, München 2006, sowie: Gotthard Strohmaier, Was Europa dem Islam, verdankt, in: ders., Hellas im Islam, Interdisziplinäre Studien zur Ikonographie, Wissenschaft und Religionsgeschichte, Vorwort Hartmut Bobzin, Wiesbaden 2003).
Es sei auch daran erinnert, daß dieser deutsche Papst in 2005 anlässlich des Weltjugendtages vor dem Kölner Dom alle Heiligen und Seligen dieser Stadt namentlich anrief - ausser Meister Eckhart, dem größten Exponenenten deutscher Mystik, welcher sich mehrfach auf den islamischen Philosophen, Arzt und Sufi- Mystiker Avicenna (ibn Sina) beruft:
„Ein Meister heißt Avicenna, der spricht: Der Geist, der abgeschieden ist, dessen Adel ist so groß, daß, was immer er schaut, wahr ist. Und das sollst du für wahr wis-sen: Wann immer der freie Geist in rechter Abgeschiedenheit steht, so zwingt er Gott zu seinem Sein.“ (Meister Eckhart, Werke, 2 Bd., Hrsg. Nikolaus Largier, Frankfurt 1993, II/441, 26 f.f.)

Und es ist der brilliante Denker und katholischer Priester Ivan Illich, der es auf den prekären Punkt bringt: "...Meine Arbeit ist ein Versuch, mit großer Traurigkeit die Tatsache der westlichen Kultur zu akzeptieren,..daß die Kirche Europa ist und Europa die Kirche, und ich sage: Ja! Corruptio optimi quae est pessima - Die Verderbnis des Besten ist das Schlimmste. Durch den Versuch, die Offenbarung zu sichern, zu garantieren, zu regeln, wird das Beste zum Schlimmsten. Ich lebe außerdem in einem Gefühl größter Zwiespältigkeit. Ich komme nicht ohne Tradition aus, aber ich muß erkennen, dass ihre Institutionaklisierung die Wurzel von etwas Bösem ist, das tiefer geht als alles Böse, das ich mit unbewaffnetem Auge und Geist erkennen könnte. - die Wahrheit über jenen historischen Vorgang, in dem Gottes Fleischwerdung auf den Kopf gestellt wird. Meine Hypothek ist, dass die Verderbnis des Besten das Schlimmste ist. Und Teil dieser Hypothese ist, daß der Versuch der Kirche, den Vollzug der "Ortho-Doxie", des rechten Glaubens, und die Ausübung christlicher Nächstenliebe mit weltlicher Macht, gesellschatlicher Sichtbarkeit und Dauerhaftigkeit auszustatten, zutiefst unchristlich ist", (Ivan Illich, In den Flüssen nördlich der Zukunft. Letzte Gespräche über Religion und Gesellschaft mit David Cayle, München 2006).


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