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Donnerstag, 04.10.2007

Massive Kritik evangelischer Theologen und Professoren an der EKD-Handreichung – Buchvorstellung und Pressegespräch

Appell: EKD soll auf Alleinvertretungsansprüche und Missionierungsversuche verzichten und „fundamentalistische Positionen bei Christen und Muslimen“ nicht mehr fördern

Grundsätzliche Kritik an der Haltung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gegenüber dem Islam äußern 14 Professoren in einem Buch, das bei einem Pressegespräch der Öffentlichkeit kommenden Montag im Frankfurter Presseclub (Saalgasse 30 in Frankfurt um 11.15) vorgestellt wird.

„Theologische Defizite, undifferenzierte Aussagen zur Mission, herabwürdigende Ausführungen zum Islam, fehlende Aussagen zur Islamfeindlichkeit und unzureichende Darlegungen von Gemeinsamkeiten zwischen Juden, Christen und Muslimen werden der EKD-Handreichung „Klarheit und gute Nachbarschaft“, so im einem Vorabbericht des Abrahamischen Forums, Muslimen in Deutschland vorgehalten.
Die EKD-Handreichung, fördert so die einhellige Meinung 14 hochrangiger Professoren, fundamentalistische Positionen bei Christen und Muslimen. Eine Revision wird deswegen für erforderlich gehalten.

Das Abrahamische Forum, initiiert durch Vorsitzenden des Interkulturellen Rates Jürgen Miksch, hat jüdische, christliche und muslimische Professorinnen und Professoren darum gebeten, sich kritisch und weiterführend mit der EKD – Handreichung zu befassen. Autoren sind die Professoren Reinhold Bernhardt (Basel), Micha Brumlik (Frankfurt/Main), Christoph Bultmann (Erfurt), Ulrich Dehn (Hamburg), Christoph Elsas (Marburg), Wolf-Dieter Just (Bochum), Yasemin Karakasoglu (Bremen), Karl-Josef Kuschel (Tübingen), Johannes Lähnemann (Nürnberg), Stephan Leimgruber (München), Reinhold Mokrosch (Osnabrück), Arnulf von Scheliha (Osnabrück), Martin Stöhr (Siegen) und Johannes Triebel (Nürnberg). Das im Frankfurter Lembeck Verlag veröffentlichte Buch mit dem Titel „Evangelisch aus fundamentalem Grund. Wie sich die EKD gegen den Islam profiliert“ umfasst mit Anlagen 335 Seiten.

Erst vor kurzem äußerten 28 evangelische Kritiker der Handreichung ihre Einwände in einem in Baden-Baden veröffentlichten Brief an die Synode und den Rat der EKD. In dem EKD-Text würden fundamentale christliche Positionen als Voraussetzungen für den Dialog quasi festgeschrieben und Muslime mit einem Verhaltenskodex und Forderungskatalog konfrontiert. Die EKD stelle christliche Idealvorstellungen einer fragwürdigen muslimischen Praxis gegenüber. „Einem sinnvollen Dialog, der nachbarschaftlich nur auf gleicher Augenhöhe stattfinden kann, wird damit von vornherein die Grundlage entzogen.“ Damit würden fundamentalistische Positionen bestärkt und das insgesamt gute Zusammenleben von Muslimen und Christen in Deutschland erschwert. Passagen in der Handreichung erweckten den Verdacht des Alleinvertretungsanspruchs. Dies diene weder der theologischen Klarheit noch dem Bemühen um gute Nachbarschaft. Das EKD-Papier gehe auch davon aus, dass die islamische eine andere als die christliche Gottesvorstellung sei. Zwar sei das Gottesverständnis im Islam und Christentum unterschiedlich: „Muslime beten aber ebenfalls zu dem Gott, der sich Israel durch Abraham, Mose und die Propheten und darüber hinaus den Menschen durch Jesus von Nazareth zugewendet hat.“

Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören die Theologieprofessoren Peter Bannasch (Wilhelmsfeld), Gottfried Gerner-Wolfhard (Karlsruhe) und Klaus-Peter Jörns (Berg/Starnberger See), der frühere Redaktionsleiter Kirchenfunk beim Südwestfunk, Hans-Joachim Girock (Baden-Baden), der ehemalige Umweltbeauftragte der badischen Kirche, Pfarrer Gerhard Liedke (Heidelberg) sowie der Publizist und Theologe Jörg Zink (Stuttgart).

Die Theologengruppe war im vergangenen Jahr bereits mit einem „Appell aus Baden“ an die Öffentlichkeit getreten. Darin wurde gefordert, beim christlich-islamischen Dialog auf Alleinvertretungsansprüche und Missionierungsversuche zu verzichten.




Lesen Sie dazu auch:

    -Stellungnahme des Koordinierungsrates der Muslime (KRM) zur Handreichung „Klarheit und gute Nachbarschaft“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) "Profilierung auf Kosten der Muslime"
        -> (http://islam.de/8443.php)