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Leserbriefe

Donnerstag, 09.02.2006



Christoph Müller schrieb:
Karikaturenstreit; Wo bleiben die Besonnenen?

Wo die Besonnenen bleiben, fragt Aiman A.Mayzak..; sie bleiben, wie so oft, erst einmal im Hintergrund und werden hoffentlich Gehör finden, wenn sich die Lage - Gott gebe es! - beruhigt hat. Zwar scheint es so zu sein, als stießen zur Zeit zwei verschiedene Weltanschauungen heftig aufeinander, ich denke aber, daß sie sich in einem Punkt ähnlich sind: Beide sind aus dem Takt geraten und in beiden Fällen spielen die Zumutungen "der Moderne" die wesentliche Rolle. Der "Westen" hat irgendwann die Kontrolle über das Projekt Aufklärung verloren und ist Opfer eines "Alles ist erlaubt", "Alles ist möglich" geworden.
Wo aber jegliches Tabu fehlt oder zumindest mißtauisch beäugt wird, gerät die Freiheit leicht zur Schamlosigkeit und wird jämmerlicher , je mehr sie sich im eigenem Selbstverständnis räckelt.Der islamische Kulturkreis (ich weiß, weder "Westen", noch "islamischer Kulturkreis"sind einheitliche Gebilde)
ist längst Teil einer wirtschaftlich und technischen Globalzivilisation geworden, die nun von den eigenen Traditionen integriert werden muß; das geht nicht ohne Erschütterungen und Veränderungen. Interessant ist im aktuellen Konflikt die Bedeutung von Bildern; beide, "Abendland" und "Morgenland" (das war noch schön, als man so poetisch voneinander sprach), waren eigentlich Kulturen des Wortes, der Schrift.Wort und Schrift aber, stehen (standen?) im Horizont des Heiligen, Wort und Schrift sind unendlich erhabener und geistvoller als das Bild, entsprechend ist eine Zivilisation des Wortes reicher und fruchtbarer als eine Zivilisation der Bilder, aber diese haben wir zur Zeit und beide Seiten bedienen sich ihrer virtuos: das Spottbild der einen entspricht dem Schreckensbild der anderen; die Karikaturen in den Zeitungen Europas, werden unreflektiert mit den Nationen Verbindung gebracht, in denen sie erscheinen, sie produzieren wiederum Bilder brennender Fahnen, brennender Botschaften und tobender Massen, die dann als Bild für den gesammten Islam zu werden drohen. Das Auge regiert das Hirn und die Zunge hinkt dem hinterher, sowohl Orient als auch Oxident werden Opfer einer weltweiten vulgären optischen Schlammflut in der beide sich wohl zu fühlen scheinen, ohne zu merken wie sehr sie schon am absaufen sind.
Das Gebot Gottes "Du sollst dir kein Bild machen !" erhält vor diesem Hintergrund eine friedensstiftende, menschenliebende Aktualität.
Ich bin übrigends evangelischer Christ und grüße alle freundlich, die diese Seite lesen.