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Mittwoch, 06.12.2023


Erlangen: Gemeinsame Erklärung zu sammen mit dem OB der Stadt, der jüdischen Kultusgemeinde und der beiden islamischen Gemeinden, eine davon vom ZMD, unter dem Titel „Salam – Schalom – Frieden“ auf dem Weg gebracht

Aus der Geschichte unseres Dialogs wissen wir, dass wir auch unterschiedliche Positionen aushalten müssen und dies auch können: Wer das Selbstverteidigungsrecht Israels unter Wahrung des internationalen Völkerrechts betont, stellt sich nicht gegen alle Musliminnen oder Palästinenserinnen. Und wer sich für die Zivilist*innen in Gaza einsetzt oder eine kritische Haltung gegenüber der israelischen Regierung einnimmt, ist nicht gleich ein Antisemit oder eine Antisemitin.

In diesen schwierigen Zeiten ist es nicht immer einfach, ermutigende Signale zu finden oder zu verbreiten. Umso höher ist es zu bewerten, dass es in Erlangen gelungen ist, mit Unterstützung des Oberbürgermeister Dr. Florian Janik und des Vorsitzenden des Ausländer- und Integrationsbeirats Rami Boukhachem, eine gemeinsame Erklärung der jüdischen Kultusgemeinde und der beiden islamischen Gemeinden, eine davon ist vom ZMD, unter dem Titel „Salam – Schalom – Frieden“ auf den Weg gebracht.



In Erlangen leben Menschen aus 147 Nationen friedlich zusammen. Unterschiedliche kulturelle und religiöse Prägungen begreifen wir als Bereicherung. Ganz im Sinne des Erlanger Stadtmottos „Offen aus Tradition“ spielt deshalb der Austausch und Dialog zwischen den Religionen schon lange eine wesentliche Rolle. Aktuell sind die Auswirkungen der verschiedenen internationalen Konflikte auch in Erlangen spürbar und zeigen sich unter anderem in Form von Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit und anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, gegen die wir entschieden vorgehen müssen. Die allermeisten Menschen in unserer Stadt wollen gemeinsam in Frieden leben. Der grausame terroristische Überfall der Hamas am 7. Oktober auf Israel und die Entwicklungen seither erfüllen uns mit Fassungslosigkeit und Trauer. Wir trauern um die vielen Opfer der Terrorattacke in Israel und fühlen mit den Familien der Geiseln, die sich nichts sehnlicher wünschen als deren Freilassung. Und wir trauern um die zahlreichen palästinensischen Zivilist*innen, die seither durch den israelischen Militäreinsatz in ihren Wohnhäusern, Krankenhäusern und Schulen ums Leben kommen. Auch das Leid der Vertriebenen berührt uns sehr.



Aus der Geschichte unseres Dialogs wissen wir, dass wir auch unterschiedliche Positionen aushalten müssen und dies auch können: Wer das Selbstverteidigungsrecht Israels unter Wahrung des internationalen Völkerrechts betont, stellt sich nicht gegen alle Musliminnen oder Palästinenserinnen. Und wer sich für die Zivilist*innen in Gaza einsetzt oder eine kritische Haltung gegenüber der israelischen Regierung einnimmt, ist nicht gleich ein Antisemit oder eine Antisemitin. Gemeinsam ist uns die Angst um Freunde und Angehörige, die von den Kriegshandlungen der beiden Seiten betroffen sind. Wir verurteilen jede Form von Terrorismus und Gewalt an Zivilist*innen. Die Versorgung der Zivilbevölkerung mit Wasser, Lebensmitteln, Medizin und Strom muss zu allen Zeiten gewährleistet sein. Gemeinsam hoffen wir auf ein Ende der Gewalt und eine Perspektive des Friedens zwischen Israel und Palästina.




Die Entwicklungen nach dem 7. Oktober erfüllen uns aber auch mit tiefer Besorgnis wegen der Veränderungen in Deutschland. Jüdinnen erleben hier Antisemitismus und Angriffe gegen jüdisches Leben in einer seit 1945 nicht mehr gekannten Offenheit und Brutalität. Aber auch Musliminnen erfahren vielfache Anfeindungen. Viele Menschen, die Terror, Krieg und Fundamentalismus ablehnen, werden pauschal in Verantwortung für Terror und Hass genommen. Auch Islamophobie und Übergriffe gegen Muslim*innen und muslimische Einrichtungen nehmen weiter zu. Es darf keine Gesellschaft entstehen, in der man sich nicht mehr traut, unterschiedliche Kulturen und Religionen offen zu leben. Die weltweiten Konflikte können wir in unserer Stadtgesellschaft nicht lösen. Umso wichtiger ist es, das friedliche und respektvolle Miteinander zu bewahren. Mit Entsetzen sehen wir, wie Radikale die Situation gerade für antisemitische und antimuslimische Straftaten nutzen, um jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland zu terrorisieren und zugleich Misstrauen gegen alle Menschen mit Migrationsgeschichte zu schüren. Der Anspruch: „Nie wieder!“ legt uns als deutsche Gesellschaft besondere Verantwortung auf, uns gegen Antisemitismus zu wenden und uns für ein sicheres jüdisches Leben in Deutschland einzusetzen. Als Stadtgesellschaft treten wir deshalb gemeinsam jeder Form des Fundamentalismus und jeder Form von Ausgrenzung und Hass entschieden entgegen. Wir wenden uns gegen alle Formen des Antisemitismus und der Islamophobie. Dort, wo wir Einfluss haben, werden wir beides entschieden bekämpfen. Gerade in diesen schweren Zeiten setzen wir diesen Gefahren für unsere demokratische, vielfältige Gesellschaft den Dialog der Religionen, gelebte kulturelle Vielfalt und den gemeinsamen Wunsch nach Frieden entgegen.

Unterzeichner*innen:

Dr. Florian Janik, Oberbürgermeister der Stadt Erlangen

Rami Boukhachem, Vorsitzender des Ausländer- und Integrationsbeirats

Esther Limburg-Klaus, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Erlangen

Dr. Dunja Zaouali, Vorstandsmitglied der Islamischen Religionsgemeinschaft Erlangen e. V.

Duaa Abu El-Qomsan, Zweite Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Erlangen e. V.

Enver Sönmez, Vorstandvorsitzender der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Erlangen e. V.