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Montag, 10.07.2023


Umschlaggestaltung: Fadime Kranz

"Srebrenica: Kein Vergessen. Kein Vergeben

Der Bericht eines Überlebenden" ist eine ergreifende und schockierende Erzählung von Hasan Hasanovic, einem Überlebenden des Völkermords in Srebrenica im Jahr 1995. Besprechung: Aiman A. Mazyek

Das Buch gewährt einen tiefen Einblick in die Schrecken des Krieges, die Gräueltaten und die menschliche Ausdauer. Gleichzeitig vermittelt es die dringende Botschaft, dass solche Tragödien niemals vergessen werden dürfen. In diesen Tagen jährt sich das schreckliche Massaker an den bosnischen Muslimen mitten in Europa, lange bevor Russland die Ukraine angegriffen hat.

Hasan Hasanovic, selbst Zeuge und Opfer des Völkermords, erzählt seine Geschichte mit bedrückender Klarheit und Genauigkeit, die einem beim Lesen den Atem stocken lässt. Das Buch beginnt mit einer einführenden Beschreibung der politischen und ethnischen Situation in Bosnien und Herzegowina vor dem Krieg. Hasanovic schildert die zunehmende Spannung und Gewalt, die die Menschen in Srebrenica und den umliegenden Gebieten erlebten.

Als die serbischen Streitkräfte im Juli 1995 Srebrenica überfielen, befand sich Hasanovic unter den Tausenden von bosnisch-muslimischen Männern und Jungen, die in die UN-Schutzzone geflohen waren. Die Autorität der UN wurde von den Serben missachtet, und das scheinbar sichere Gebiet wurde zur Falle für die verzweifelten Menschen. Hasanovic beschreibt die Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, als die Serben begannen, systematisch Männer und Jungen zu trennen und zu töten. “Mit den Tscheniks teilten die UN-Truppen ihre Verachtung für die Muslime, obwohl wir weder den einen noch den anderen etwas zu leide getan haben“.


Eine Delegation von muslimischen Religionsgemeinschaften, darunter auch die bosnischen muslimischen Gemeinden und Aiman Mazyek Vorsitzender des ZMD wie auch Scheich Mohammed Bin Abdul Karim Al-Issa sprechen Bittgebete über die Toten und Angehörigen aus


Es erstreckt sich ein Überlebenskampf von Hasanovic und anderen Gefolgsleuten, darunter seine Familienangehörigen, während sie sich durch die Wälder schlugen und verzweifelt nach Sicherheit suchten. Die Autorität der UN und anderer internationaler Organisationen wird kritisch hinterfragt, da sie nicht in der Lage waren, die Bevölkerung zu schützen und den Völkermord zu verhindern. Hasanovic dokumentiert, gewissermaßen als Augenzeuge und in Teilen chronistisch die Grausamkeiten, die er und andere Überlebende erlebt haben, darunter Hunger, Kälte und die ständige Angst vor Entdeckung und Tod. Letztlich hat sein Glaube und tiefe Stärke seines Gottvertrauen ihn das Leben gerettet.


Im weiteren Verlauf des Buches beschreibt Hasanovic die Bemühungen der Überlebenden, Gerechtigkeit und Anerkennung für die Opfer des Völkermords zu erreichen. Er berichtet vom Schweigen und den Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert sind, um die Wahrheit ans Licht zu bringen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Hasanovic betont die Bedeutung, die Geschichte von Srebrenica zu erzählen und sicherzustellen, dass sie nicht vergessen wird, um zukünftige Gräueltaten zu verhindern. Hasanovics Beschreibung ist prägnant, packend und unverblümt. Er erzeugt eine unmittelbare emotionale Wirkung beim Leser, indem er die Grausamkeit des Krieges und die Angst der Menschen in Srebrenica uns Nahe bringt.



Einer der Massengräber von Srebrenica - Bis heute fehlen noch Tote, deren Knochen sind über das ganze Land verstreut
Rassismus und Islamhass töten

Einmal mehr wird deutlich. wie gefährlich Rassismus und Islamhass in Europa sein können und der Nationalismus letztlich tödlich ist, insbesondere vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine.

Der Bericht von Hasan Hasanovic über den Völkermord in Srebrenica zeigt die schrecklichen Auswirkungen von Rassismus und die sog. „ethnischen Säuberungen“ auf. Der Hass und die Vorurteile gegenüber den gesamten bosnisch-muslimischen Bevölkerung führt unweigerlich zur systematischen Trennung und Tötung. Dieses schreckliche Massaker darf nicht vergessen werden, da er eine deutliche Erinnerung daran ist, wie Rassismus und religiöser Hass zu massiver Gewalt führen können.

Das Buch von Hasanovic und die aktuellen Ereignisse in Europa und der Ukraine dienen als Mahnung, dass wir als Gesellschaft wachsam bleiben müssen. Wir müssen uns aktiv gegen Rassismus, Islamhass und nationalistische Ideologien stellen, um eine gerechte und demokratischen Zukunft zu gestalten, in der solche Gewalttaten nicht mehr stattfinden.

„Srebrenica wurde zu einem unbeschreiblich abscheulichen und überfüllten Ghetto, das aus hungrigen, verwundeten, kranken und schutzlosen Bosniaken bestand“  

Srebrenica – Keine Vergessen. Kein Vergeben. Hasan Hasannovic 2021 - ISBN 9783754311059