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Freitag, 21.10.2022


EU-Kommission holt sich Expertise von Muslimen und Juden zum rituellen Schlachten ein

Vertreter aus Politik und Religion erörterten am Donnerstag in Brüssel rechtliche Fragen um das traditionelle Schlachten im Judentum und Islam. ZMD mit dabei und gab ein Statement ab

Brüssel. Vertreter aus Politik und Religion erörterten am Donnerstag in Brüssel rechtliche Fragen um das traditionelle Schlachten im Judentum und Islam. Vertreten waren auf muslimischer Seite u. a. Zara Mohammed, Generalsekretärin des Muslim Council of Britain und Mohammed Moussaoui, Vizepräsident der Versammlung der Muslime in Frankreich. Auf jüdischer Seite waren u. a. Pinchas Goldschmidt, Vorsitzender der Europäischen Rabbinerkonferenz und Dr. Ariel Muzicant, Interimspräsident des Europäischen Jüdischen Kongresses, vertreten. Der eintägige nichtöffentliche Austausch auf Einladung der Europäischen Kommission steht in Zusammenhang mit der EU-Strategie zum Kampf gegen Antisemitismus und zur Förderung jüdischen Lebens in Europa. An dem Treffen nahmen Repräsentanten jüdischer und islamischer Verbände und Organisationen sowie christlicher Kirchen teil.

Die Bundesregierung war durch den Beauftragten für jüdisches Leben in Deutschland, Felix Klein, vertreten. Generalsekretär Abdassamad El-Yazidi gab ein Statement ab, bei dem er die Gesetze zur Festlegung des Schächtens nach religiösen Riten und die bürokratischen Einschränkungen, unter denen sowohl muslimische als auch jüdische Bürger leiden, darlegte.


Links im Bild ZMD-Generalsekretär Abdassamad El Yazidi


Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg vom 17. Dezember 2020, das den EU-Mitgliedstaaten in der Frage des jüdischen Schächtens beziehungsweise der entsprechenden islamischen Schlachtmethode eine Abwägung zwischen Tierschutz und Religionsfreiheit erlaubt. In Belgien hatte das oberste Gericht im Oktober 2021 frühere Verbote betäubungslosen Schlachtens unter Verweis auf den EuGH für rechtens erklärt. In Frankreich und den Niederlanden ist das Schächten hingegen erlaubt; andere Länder streben noch eine Regelung an.

Die EU-Kommission will mit der Tagung zu diesem Thema nach eigenem Bekunden praktikable Lösungen voranbringen. Eingebunden sind mit Blick auf die betreffenden Grundrechte auch Europarat und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie die Allianz der Zivilisationen als Einrichtung der UN.