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Mittwoch, 14.09.2022

Weltkongress der Religionen in Kasachstan

Bereits zum siebten Mal veranstaltet die Staatsführung Kasachstans einen "Kongress der Führer der weltweiten und traditionellen Religionen" in der Hauptstadt Nur-Sultan. Auch Al-Azhar Großscheich Ahmed al-Tayyeb und Papst Franziskus nehmen am Spitzentreffen teil

Nur-Sultan (KNA/Eigene) Bereits zum siebten Mal veranstaltet die autoritäre Staatsführung Kasachstans einen "Kongress der Führer der weltweiten und traditionellen Religionen". Dazu wurden in der Hauptstadt Nur-Sultan am Mittwoch und Donnerstag (14./15. September) rund 100 Delegationen aus 50 Ländern erwartet. Auch Papst Franziskus, der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., Großscheich Ahmed al-Tayyib von der Al-Azhar-Moschee in Kairo und Israels sephardischer Oberrabbiner Yitzhak Yosef hatten zugesagt. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. trat dagegen von seiner bereits angekündigten Teilnahme zurück; er lässt sich vertreten.

Der langjährige Staatschef Nursultan Nasarbajew lud 2003 erstmals zu der Religionskonferenz ein. Nach den "islamistischen" Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA wollte er damit laut eigener Aussage zu Frieden und Eintracht in der Welt beitragen.

Papst Franziskus spricht von einer "außergewöhnlichen Symphonie" in Kasachstan. Ein Zusammenspiel von rund 150 ethnischen Gruppen und mehr als 80 Sprachen. Dadurch werde es zu einem "einzigartigen multiethnischen, multikulturellen und multireligiösen Labor" mit der Berufung, ein "Land der Begegnung" zu sein.

In seiner Rede geht der Papst auch auf den Krieg in der Nachbarschaft ein. "Ich komme hierher im Verlauf des wahnsinnigen und tragischen Krieges, der durch die Invasion der Ukraine ausgelöst worden ist." Kasachstan nimmt im Ukraine-Krieg eine möglichst neutrale Haltung ein. Es brauche Geduld, Verständnis und den Willen, "mit allen, ich wiederhole mit allen" in den Dialog zu treten, so Franziskus. Ab Mittwoch will er mit mehreren Religionsvertreter Dialoge führen, auch mit einer Delegation aus Moskau.

Großimam Ahmed Al-Tayyeb vor Ort

Neben dem Papst meldeten sich auch der kasachische Präsident sowie mehrere Religionsführer zu Wort, darunter die wichtigste religiöse Autorität des sunnitischen Islams, Großscheich Ahmed al-Tayyeb. Dieser sprach in seiner Rede über die Philosophie des Islams, die zur Annäherung und Koexistenz zwischen Nationen und Völkern aufruft und Hass und Intoleranz ablehnt. Dabei betonte Al-Tayyeb, dass führende Politiker und wichtige Entscheidungsträger in Zusammenarbeit mit religiösen Gelehrten, Wissenschaftlern und Denkern zu gemeinsamen Lösungen kommen müssen.

Al-Tayyeb traf zudem auf den Hohen Repräsentanten der Vereinten Nationen für die Allianz der Zivilisationen (UNAOC), Miguel Ángel Moratinos. Moratinos über das Treffen mit dem Großimam und seine Wertschätzung für die Bemühungen aus, die Al-Azhar und der Ältestenrat der Muslime im Bereich des interreligiösen Dialogs unternommen haben. Er betonte zudem die Wichtigkeit des Dokuments der Geschwisterlichkeit, die von Al-Tayyeb und Papst Franziskus unterzeichnet wurde: „Besonders angesichts der Kriege, Kämpfe und Konflikte, unter denen die Welt leidet, und der Ausbreitung von Krankheiten sowie der Intoleranz und des Hasses“ sei das Dokument von großer Bedeutung, um die „Werte der Brüderlichkeit und Koexistenz in Gesellschaften“ hochzuhalten.