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Montag, 11.07.2022


Einer der Massengräber von Srebrenica - Bis heute fehlen noch Tote, deren Knochen sind über das ganze Land verstreut

Erinnerung an Srebrenica: Genozid mitten in Europa

Über 8000 Muslime wurden am 11. Juli 1995 in Srebrenica ermordet. Zum 27. Jahrestag nimmt Bundestagsvizepräsidentin Aydan Özoguz an der Gedenkveranstaltung in Srebrenica teil.

Der Völkermord in Srebrenica gilt als das größte Verbrechen im Bosnien-Krieg und als das größte Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.    In der bosnischen Stadt Srebrenica hatten serbische Truppen am 11. Juli 1995 über 8000 Bosniaken, fast ausschließlich Männer und Jungen im Alter von 12-77 Jahren, ermordet. Niederländische UN-Blauhelme hatten den Angreifern unter General Ratko Mladic den Ort kampflos überlassen.

Mittels mühsamer DNA-Analyse konnten bisher die Überreste von 5657 der in Massengräbern verscharrten Opfer identifiziert werden. Wegen der Ermordung und Vertreibung der muslimischen Bewohner zu Ende des Bosnienkriegs sind große Teile der Stadt mittlerweile serbisch.  

2009 erklärte das Europaparlament den 11. Juli zum Gedenktag für die Opfer des schwersten Kriegsverbrechens in Europa seit 1945 - auch um westliche Staaten daran zu erinnern, dass sie das Massaker nicht verhinderten.


Eine Delegation von musl. Religionsgemeinschaften, darunter auch bosnische sowie ZMD-Vorsitzender Aiman Mazyek und Scheich Mohammed Bin Abdul Karim Al-Issa sprechen Bittgebete über die Toten und Angehörigen aus
Erinnerungskultur schaffen

Bundestagsvizepräsidentin Aydan Özoguz nimmt heute an der Gedenkveranstaltung zum 27. Jahrestag des Völkermordes von Srebrenica teil und erweist damit den Opfern und ihren Angehörigen ihre Ehre. In ihrer Rede betont sie: „Den Ermordeten ein Gedächtnis schenken – das schulden wir allen Opfern von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Deshalb müssen wir an Srebrenica erinnern.“ Dazu Özoguz weiter: „Auch heute noch sind Stigmatisierung und Ausgrenzung bis hin zu Vertreibung und Ermordung von Menschen aufgrund ihrer ethnischen oder religiösen Herkunft an vielen Orten der Welt gang und gäbe. Srebrenica mahnt uns, dass die Weltgemeinschaft solchen Taten niemals tatenlos zuschauen darf“.

Darüber hinaus wird Özoguz zivilgesellschaftliche Initiativen besuchen, die sich für Kriegsopfer einsetzen und damit wertvolle Arbeit leisten, die Wunden der Vergangenheit zu schließen. Außerdem tauscht sich die Bundestagsvizepräsidentin mit hochrangigen politischen und religiösen Vertretern aus und informiert sich über das Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in dem Land.

Auch ZMD-Vorsitzender Aiman Mazyek besuchte vor zwei Jahren die Gedenkstätte und das Massengrab von Srebrenica in Bosnien-Herzegowina. Dort betete er für die Verstorbenen und Angehörigen und setzte ein Zeichen des ‘Nie Wieders’ und des ‘Nichtvergessens’. Dabei plädierte er für eine stärkere Erinnerungskultur in europäischen Schulen, Universitäten und der Geschichtsschreibung.

Die Narben sind bis heute nicht verheilt

Bosnien unterteilt sich seit dem Friedensvertrag von Dayton im Jahr 1995 in eine bosniakisch-kroatische Föderation und eine Serben-Republik. Mehr als ein Vierteljahrhundert später bleibt echter Frieden aus. Seit Oktober 2021 ist die Leugnung des Völkermords in der serbischen Teilrepublik Republika Srpska wieder erlaubt. Der bosnisch-serbische Politiker Milorad Dodik droht zudem seit Jahren damit, die serbische Teilrepublik aus dem Gesamtstaat herauszulösen.
Zwar beendete der Vertrag Vertreibung, Zerstörung und Mord in Bosnien-Herzegowina; doch Rückschritte sind immer wieder zu verzeichnen. Unter anderem berichteten Religionsvertreter von zunehmenden Spannungen. Einige warnten, dass es zu neuen Kämpfen kommen könnte.