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Montag, 04.07.2022


Quelle: SMJusDEG l Daniel Meißner

Erinnerung an Marwa El-Sherbini

Das Schicksal von Marwa El-Sherbini zeigt, dass antimuslimischer Rassismus tötet. ZMD-Vorsitzender Aiman Mazyek legte gemeinsam mit Vertretern von Stadt und Land bei der Gedenkveranstaltung in Dresden weiße Rosen nieder

Berlin (KNA/Eigene) Auf der Gedenkveranstaltung für Marwa El-Sherbini legten Vertreter von Stadt und Land sowie aus der Zivilgesellschaft weiße Rosen nieder. ZMD-Vorsitzender Aiman Mazyek war ebenfalls zugegen. Über den Kurznachrichtendienst Twitter mahnte Mazyek in Bezug auf El-Sherbinis Tod und den weiteren schrecklichen Anschlägen wie in Halle, Hanau, der NSU etc. an: „Sie wurde ermordet von einem Rassisten und Rechtsextremisten. Er wähnte sich im Einklang mit der Gesellschaft. Muslimfeindlichkeit im Alltag, Angriffe, Hass und Abwertung finden täglich subtil und offen gegenüber Musliminnen statt, nicht selten kommen sie als Meinung und Kritik daher. Doch Antimuslimischer Rassismus tötet.“

Auf diese Umstände hat der ZMD mehrfach in der Vergangenheit aufmerksam gemacht und fordert seit jeher einen Beauftragten gegen Muslimfeindlichkeit sowie Schulungs-, Sensibilisierungsmaßnahmen und Antirassismustrainings bei der Justiz, Polizei und den Sicherheitsbehörden, da sie bei der Bekämpfung von antimuslimischem Rassismus eine zentrale Rolle spielen und somit in der Zukunft weitere Katastrophen womöglich in ihrer Entstehung hindern können.

Antirassismusbeauftragte fordert mehr Engagement gegen antimuslimischen Rassismus

Die Antirassismusbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan, hat mehr Engagement gegen antimuslimischen Rassismus in Deutschland gefordert. Für sechs Millionen Musliminnen und Muslime "ist Rassismus Alltag in unserem Land", sagte die Staatsministerin am Donnerstag in Berlin. Viel zu lange sei antimuslimischer Rassismus in Deutschland verharmlost worden. "Doch Rassismus spaltet und zersetzt das Fundament unserer Demokratie", sagte Alabali-Radovan.

Die Bundesbeauftragte äußerte sich anlässlich der bundesweiten Aktionswoche gegen antimuslimischen Rassismus, die am Freitag ihren Höhepunkt und Abschluss findet. Dazu hatten in den vergangenen Tagen unter dem Motto #germanyisformany verschiedene Veranstaltungen und Online-Aktionen stattgefunden, ebenso wurde eine Plakatkampagne gestartet.

Der 1. Juli gilt im Gedenken an Marwa El-Sherbini als Tag gegen antimuslimischen Rassismus. Die schwangere Ägypterin wurde am 1. Juli 2009 vor den Augen ihres dreijährigen Sohnes und ihres Ehemannes im Dresdner Landgericht niedergestochen. Das Motiv lautete: wahnhafter Hass auf Muslime. Ihr Ehemann versuchte sie zu schützen und ging dazwischen, wobei er lebensgefährlich verletzt wurde. Das Fatale hierbei ist, dass die Polizei ihn für den Täter hielt und ihm ins Bein schoss.

Dabei zeigten Ort und Hergang ihres Todes wie tief der (strukturelle) antimuslimische Rassismus in Deutschland verwurzelt war. Auch in der anschließenden Auseinandersetzung wurde die offensichtlich muslimfeindliche Gesinnung des Täters nicht als solche benannt und damit das Ergründen ihrer gesellschaftlichen Ursachen unterminiert.


Gebete und Würdigungen für Marwa El-Sherbini. Vorne im Bild ZMD-Vorsitzender Aiman Mazyek Quelle: SMJusDEG l Daniel Meißner


Mit der Erfassung von islamfeindlich motivierten Straftaten seit dem Jahr 2017 wurde ein wesentlicher Schritt in Richtung mehr Sichtbarkeit von antimuslimischen Haltungen gegangen. Nichtsdestotrotz werden viele islamfeindliche Taten nicht als solche registriert, obgleich sie in unterschiedlichen Kontexten, wie im Arbeitsmarkt, in Schulen etc. auftreten.

"Antimuslimischer Rassismus ist gesellschaftlich und politisch bislang noch Nischenthema", kritisierte Rima Hanano vom Aktionsbündnis Claim, das die Aktionswoche mitorganisiert hat. Es sei wichtig, dass die Gesellschaft begreife, "dass jegliche Rassismen keineswegs nur Minderheiten, sondern uns alle betreffen". Daher müsse die Bekämpfung von antimuslimischem Rassismus zu einem Querschnittsthema werden.

Alabali-Radovan sprach sich dafür aus, "dass das Strafrecht geschärft und Hass und Hetze konsequent bestraft werden". Dazu sollen auch das Demokratiefördergesetz, mehr Prävention sowie eine Diversity-Strategie in der Bundesverwaltung auf den Weg gebracht werden.

Claim verwies auf die jüngsten Daten des Bundesinnenministeriums, wonach 2021 in Deutschland rund 732 islamfeindliche Straftaten und 54 Angriffe auf muslimische Einrichtungen und Repräsentanten erfasst wurden. Obwohl die offiziellen Zahlen scheinbar erstmals rückläufig seien im Vergleich zu 2020 mit 1.026 Übergriffen und 2019 mit 950 Vorfällen gebe es keinen Anlass zur Entwarnung, denn der Schein der Zahlen trügt: "Insbesondere antimuslimischer Alltagsrassismus und Diskriminierungen werden bisher kaum erfasst und bleiben statistisch weitestgehend unsichtbar", erklärte Claim. Auch online erreiche antimuslimischer Rassismus neue Ausmaße und reiche von einzelnen Kommentaren oder Memes, die Muslime verächtlich machen, bis hin zu gezielten Hasskampagnen.