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Donnerstag, 10.03.2022


Prinz Hassan bin Talal

Zum 75. Geburtstag von Prinz Hassan bin Talal von Jordanien

Eine Stimme für mehr Menschlichkeit, Dialog und Wissenschaftszugewandtheit

Amman (KNA) Sportlich, gemäßigt, engagiert: Vom schwarzen Gürtel im Taikwondo bis zum Niwano-Friedenspreis reichen die Errungenschaften und Auszeichnungen von Prinz Hassan bin Talal von Jordanien. Dialog auf Augenhöhe, ob interreligiös oder interkulturell, lautet das Credo des Bruders des verstorbenen jordanischen Königs Hussein. Am Sonntag (20. März) wird der um das Miteinander bemühte Orientalist und Philantrop 75 Jahre alt.

Der Jordanier, der von 1965 bis zur Krönung seines Neffen zum heutigen König Abdullah II. Kronprinz des haschemitischen Königreichs war, stammt aus einer der traditionsreichsten Familien des Landes, die ihre Wurzeln bis in Zeiten des Propheten Mohammed zurückführt. Er galt als engster Vertrauter, politischer Berater und Stellvertreter seines Bruders Hussein bis zu dessen Tod.

Hassan bin Talal studierte Orientwissenschaften im britischen Oxford und blieb über seine Studienzeit hinaus der Wissenschaft verbunden. Zahlreiche Institutionen gehen auf seine Initiative zurück, darunter die Königliche Wissenschaftliche Gesellschaft (1970) und das Königliche Institut für Interreligiöse Studien (1994). Von 1999 bis 2006 amtierte Prinz Hassan als Präsident der Weltkonferenz der Religionen für den Frieden, von 2000 bis 2006 als Präsident des Club of Rome.

Hassan bin Talal plädiert für Annäherung. Statt sich auf die jeweiligen Eigeninteressen zurückzuziehen, müsse man in einer globalisierten Welt einander auf "einem Fundament der Humanität" näherkommen. Dabei müssten die Identität des anderen anerkannt, kulturelle und zivilisatorische Gemeinsamkeiten herausgearbeitet und das eigene intellektuelle und materielle Erbe erhalten werden.

Für ein "neues Prinzip der Menschlichkeit" in der Politik fordert er die Zusammenarbeit öffentlicher und nichtstaatlicher Akteure "von Konfliktlösungsspezialisten über Wirtschaftsführer bis hin zu Privatpersonen". Zuletzt sagte er in einem Interview: "Ich glaube, dass wir für etwas kämpfen müssen und nicht immer dagegen." Die Werte, "die Papst Franziskus in 'Fratelli Tutti' so eloquent und treffend erwähnt hat", gelte es zu entwickeln.

Brückenbauer zwischen der muslimischen und christlichen Welt

"Wir sind alle Brüder und Schwestern", ist ein Motto, dass sich auch der eloquente Prinz als "alte und einfache Wahrheit" zu eigen gemacht hat. Neben seiner arabischen Muttersprache spricht er fünf weitere Sprachen und hat biblisches Hebräisch studiert. Alles, nur nicht Schweigen und Apathie angesichts von Gräueltaten, dürfe es geben, auch wenn bis zur Achtung der Würde aller Menschen noch ein langer Weg zurückzulegen sei.

Mit Engagement in alle denkbaren Richtungen unterstreicht der jordanische Prinz seine Forderung nach mehr Miteinander. Kontakte zur britischen "Interfaith Foundation" und zum Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog sind nur ein kleiner Ausschnitt seines Wirkens. Auch der Trialog zwischen Muslimen, Christen und Juden ist dem Jordanier ein Anliegen, ebenso wie die jungen Menschen in seiner nahöstlichen Heimat, die der vierfache Vater mit diversen Initiativen unterstützt.

International wurde der Orientalist für sein Engagement in der Wissenschaft wie im interreligiösen Dialog vielfach geehrt. Nicht weniger als 28 Ehrendoktorwürden an Universitäten in fünfzehn Ländern wurden Hassan bin Talal zuteil, neben Auszeichnungen wie dem Abraham-Geiger-Preis (2008) und dem Augsburger Friedenspreis (2008). Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Tübingen, die dem Prinzen 2001 die Ehrendoktorwürde verlieh, würdigte Hassan bin Talal als "herausragenden Brückenbauer zwischen der muslimischen und christlichen Welt".

Ähnlich klingen die Worte aus der Ehrung der japanischen Niwano-Stiftung, die ihm 2008 ihren interreligiösen Friedenspreis verlieh. Hassan sei eine "friedensliebende Stimme des Islam", der sein Leben der Errichtung eines gerechten Friedens im Nahen Osten auf der Grundlage von Menschenwürde und religiöser Inspiration gewidmet habe, ein "Brückenbauer über die politischen und religiösen Trennlinien hinweg".

Alles, was heute an "Dialog der Gehässigkeiten" herrsche, sei menschengemacht, sagte Prinz Hassan bin Talal nach der Ehrung mit dem Abraham-Geiger-Preis in einem Interview des Portals "Qantara". Mit seiner Forderung nach mehr Menschlichkeit und menschlichem Miteinander hält er beharrlich dagegen.