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Donnerstag, 30.12.2021


Der Vorstand - Von links nach rechts: Saliha Sahin (Organisationsleiterin), Funda Fidan (1. Vorsitzende), Sümeyra Altintas (2. Vorsitzende), Akram Negm (Öffentlichkeitsleiter) und Seyit Kalayci (Schatzmeister)

Islam wird Gehörlosen erstmals grundlegend in Deutscher Gebärdensprache vermittelt

Interkulturelles Institut für Inklusion e.V. erstellt digitale barrierefreie Produktion von 20 Videos in Deutscher Gebärdensprache - von Funda Fidan

Ein bewegendes Wort, eine inspirierende Erzählung oder eine fesselnde Anekdote – ob auf Veranstaltungen, in Büchern oder Texten - Menschen bedürfen der Bildung und müssen dazu befähigt werden, um zum Nachdenken, Fühlen oder Reflektieren animiert zu werden und ihren Geist spirituell aufzuladen.

Mehreren Zehntausend muslimischen Gehörlosen in Deutschland wird dieser Zugang zur essenziellen Wissensaneignung islamischer Glaubenslehren verwehrt. Dabei bildet dies einen unabdingbaren Bestandteil der persönlichen Weiterentwicklung und Selbstfindung. Denn Sprache und Kommunikation stiften Identität und erst durch sie können wir Worten Bedeutung verleihen und einen Sinn erzeugen. Um diesem Umstand entgegenzuwirken und die Barrierefreiheit für diese Minderheiten zu gewährleisten, hat die Autorin dieses Artikels und Vorstandsvorsitzende des Interkulturellen Instituts für Inklusion e.V., Funda Fidan, zusammen mit ihrem Verein ein Projekt ins Leben gerufen, um Gehörlosen die Möglichkeit zu eröffnen, ihre Religion endlich verstehen und verinnerlichen zu können.


Funda Fidan - Vorstandsvorsitzende
Barrierefreie Wissensaneignung als gesamtgesellschaftliche Verantwortung

Vielen Menschen in Deutschland ist nicht klar, dass Gehörlose/Taube und Schwerhörige (Deaf) die Deutsche Schriftsprache als Fremdsprache ansehen und diese auch als solche nur bruchweise verstehen können. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass die meisten dieser Minderheiten keine Quellen des Islams eigenständig in textlicher Form lesen oder gar verstehen können. Ein vollständiges Verständnis kann nur durch eine deutsche Gebärdensprachvermittlung gewährleistet werden.

Die defizitäre barrierefreie Wissensaneignung im islamischen Kontext dieser Minderheiten besteht seit über 60 Jahren in Deutschland. Die Verantwortung für die barrierefreie Wissensaneignung gilt es gesamtgesellschaftlich zu tragen und weiterzuentwickeln, sowie sie in den verschiedensten Bereichen der Islamischen Wissenschaften zu vertiefen. Dafür müssen Eltern, Fachkräfte, Vereine und Verbände an einem Strang ziehen und gezielt Maßnahmen ergreifen. Hierbei sollten u. a. einige Islamische Theologen oder Imame den Studiengang Gebärdensprachdolmetschen angehen und sich grundlegende Umgangsformen und Wissen über die Deaf-Minderheit aneignen.

Erster Meilenstein: Islamunterricht für Gehörlose und Schwerhörige

Sicherlich handelt es sich dabei um ein Vorhaben, das einem jahrelangen Aufbauprozess unterliegen wird. Bereits im Jahr 2010 legte Ege Karar den ersten wichtigen Grundstein für den Zugang zu islamischem Wissen in Gebärdensprache, indem er den Verein "DeafIslam" gründete. Eine vergleichbare Initiative gab es in Deutschland zu dieser Zeit nicht. Seit 2018 setzt sich zusätzlich das Interkulturelle Institut für Inklusion e.V. dafür ein, das Projekt eigenständig zu bewerkstelligen. Unter anderem mit Enes Erdogan, Theologe aus der Universität Osnabrück, einem muslimischen Gehörlosen, der mit ihm zusammen vor der Kamera steht und das Ganze in der Deutschen Gebärdensprache vermittelt sowie dem ersten und einzigen muslimischen Gebärdensprachdolmetscher, der die Kommunikationsbrücke zwischen dem Theologen und dem Gehörlosen herstellt. Somit wird der erste Meilenstein für das Projekt "Islamunterricht für Gehörlose und Schwerhörige" gelegt.

Als erstes Institut, das sich intensiv mit diesem Themenfeld beschäftigt, haben sie den ersten Anlauf in Deutschland gestartet und eine digitale barrierefreie Produktion von 20 Videos in deutscher Gebärdensprache auf die Beine gestellt und somit den Islam grundlegend begonnen zu vermitteln. Hierbei werden sowohl die Pflichthandlungen behandelt als auch die islamrechtliche Perspektive beleuchtet. Des Weiteren werden die sechs Säulen des Imans (Glaubensinhalte) thematisiert.


Damit dieses Vorhaben bestehen bleibt und sich weiter entwickelt und nachhaltig expandiert, freut sich das Interkulturelle Institut für Inklusion e.V. auf Bittgebete und auch auf finanzielle Unterstützung.  Unterstütze dieses erste große islamische Inklusionsprojekt in  Deutschland und spende jetzt auf der ersten deutsch-muslimischen Crowdfunding-Plattform. Weitere Informationen zum Verein und Projekt gibt es unter diesem Link: https://commonsplace.de/project/iiiev