Montag, 01.09.2003
Ich weiß zunächst einmal mit dem Begriff "Euro-Islam" nicht viel anzufangen. Frei Assoziieren
würde ich damit aber das Bestreben der Muslime in Europa, den Islam so zu leben, dass Vorurteileüber angeblich "islamische" Traditionen wie die Bevormundung der Frauen, oder das Vermischen von Islam und landestypischen Gebräuchen sich nicht bestätigen. In laizistisch geprägten Staaten, die Religion leider oft mehr politisieren als akzeptieren, wurden Fehler gemacht bzw. wird das Praktizieren des Islams im öffentlichen Raum weiterhin bekämpft. So geschehen in der Türkei, wo sich doch der überwiegende Teil der Bevölkerung zum Islam bekennt. Manchmal höre ich auch in Deutschland, der Islam sei eine "orientalische" Religion und würde zu einer modernen Gesellschaft nicht passen. Meine eigenen negativen Erfahrungen mit einigen wenigen Menschen, die versuchten, mir den Islam auszureden, um mich vor "schlimmerem" zu bewahren, ließen mich anfangs hin und her schwanken. Inzwischen bin ich aber zu der Erkenntnis gelangt, dass jeder Mensch den Glauben für sich auslegt und es aus diesem Grund keinen "Muster-Muslim", geschweige denn, einen "Muster-Europäer" gibt. So kann ich denn "trotz" meines islamischen Glaubensbekenntnisses sagen, dass ich weiterhin Europäer und Deutsche bin, wie meine Eltern.
Als neue Muslima mit "Ur"-deutschen Vorfahren ist es in Deutschland aber doppelt schwer, sich zu behaupten. Für einige Nichtmuslime bin ich verwirrt, für andere Muslime aus konservativen Kreisen fremd. Mein Fazit ist daher: Inschallah kann jeder ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln und stolz sein, Muslim und Europäer zu sein. Es kommt nicht darauf an, was andere sagen, wichtig ist alleine das Vertrauen in Gott.