Montag, 22.07.2002
Juliane weist zutreffenderweise darauf hin, dass ein Großteil der Arbeitsmigranten den Qur'ân NICHT im Original lesen kann, geschweige denn sich die Zeit nimmt, Arabisch zu lernen (was aber nun unumgänglich ist, da jede Übersetzung ja als mitunter ungenau gilt): So sind viele bei dem steckengeblieben, was ihnen im Rahmen ihrer Sozialisierung über den Islam vermittelt worden ist, und darunter dürften sich auch viel orientalische Tradition befinden, die zwar mit dem Islam verwoben ist, wie er im jeweiligen Herkunftsland gelebt wird, aber eben nicht eigentlich islamisch ist.
Ich möchte demgegenüber meinen, dass in der kritischen Auseinandersetzung mit dem eigenen kulturellen Background einerseits, andererseits im Verständnis für die auf anderen soziohistorischen Prozessen beruhenden Kultur des Aufnahmelandes Deutschland (letzteres wäre für manche Turbo-Muslime wahrscheinlich eine glatte Überforderung – man kann sich dann fragen, warum sie hier überhaupt leben...), dass hierin die einzige Chance gegen Selbstghettoisierung und diese
begleitende Verhärtung der Einstellungen gegenüber der Mehrheitsgesellschaft liegt (falls letztere nicht sogar erwünscht ist – in diesem Fall sollte sich die nicht-muslimische Bevölkerungsmehrheit mal Gedanken machen, wie weit es noch mit diesem Land kommen soll: auf die Rolle des Bereitstellers von Wirtschafts- und Bildungschancen sowie in manchen Fällen von sozialstaatlichen Leistungen (einer ihrer Empfänger: der `Kalif von Köln`!) möchte ich mein Land NICHT reduziert sehen durch zugewanderte Populationen, die sich diesem Land in anderer Hinsicht verschließen).
Wenn dabei die Aneignung noch nicht einmal der elementarsten Deutschkenntnisse als selbstverständliche Pflicht von Zuwanderern angesehen wird, so kann man das Zuwanderungsgesetz mit seinen Regelungen zu Pflichtsprachkursen nur begrüßen. Und wenn beispielsweise eine Bekannte von mir als Lehrerin den Wunsch äußert, Türkisch zu lernen, `um sich am Elternabend mit den Eltern ihrer türkischen Schüler unterhalten zu können`, ich mir doch an den Kopf und frage mich: wer
sollte sich denn wohl an wen anpassen? Merken wir es noch?