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Leserbriefe

Sonntag, 18.01.2004



G. St. : Zu Kompromissen bereit sein schrieb:


Ich glaube, dass durch Globalisierung sehr viel Positives erreicht werden
könnte. Jedoch sind die meisten Reichen und Mächtigen auf der ganzen Welt
darauf aus, billig produzieren zu lassen, um selber am Meisten zu gewinnen
und nicht den Gewinn zu verteilen. Leider sind auch die Käufer/innen selten
dazu bereit, Produkte zu boykottieren, die durch Ausnützung der
Landbevölkerung oder der Arbeiter/innen hergestellt werden, weil man
meistens auf den Preis schaut, den man bezahlen muss. Leider ist das sehr
kurzsichtig, denn wenn man dem Hersteller genug zahlt, dass er genug übrig
hat um seine Kinder in die Schule zu schicken und sie medizinisch versorgt
weiß, wird er sicher keinem Krieg zustimmen, sondern in Frieden leben
wollen.
Zum zweiten Thema in dem Artikel "islamische und westliche Werte gut
vereinbar...": Ich bin der Meinung, dass ein Mensch, der in ein Land reist
oder flüchtet, sich den Gesetzen des dortigen Landes anpassen muss. Das
heißt nicht, dass er seine Kultur aufgeben soll, aber er und sie muss
Kompromisse schließen. Ich habe nichts gegen ein Kopftuch für Frauen, aber
etwas gegen eine Totalvermummung. Das wäre z.B. für mich der Kompromiss.
Ebenfalls achte ich die Tierschutzgesetze, denn für mich sind auch Tiere
Geschöpfe Gottes und - wenn ich sie schon esse, sollen sie im Leben und
Sterben nicht leiden müssen. Und wenn ich in einem Land bleiben will, um
dort zu arbeiten, dann sollte ich zumindest die Sprache lernen - Männer UND
Frauen. Wenn ich aber zu keinen Kompromissen bereit bin, dann muss ich in
ein Land gehen, das meinen Idealen, meinem Glauben, eher entspricht und
nicht versuchen, das Land, das mich aufgenommen hat, mit immer neuen
Forderungen umzukrempeln. Wenn ich versuche, ein vorbildliches Leben zu
leben, werden vielleicht andere versuchen, mir nachzufolgen. Nur so sollten
Veränderungen stattfinden. Nicht mit Macht - nicht mit Gewalt - nicht mit
Drohungen - nicht mit Forderungen.

Mit freundlichem Gruß
G. St.