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Leserbriefe

Sonntag, 26.10.2003



Sascha Landes: ...dann Verbot für alle schrieb:


Friede sei mit Euch und Gottes Barmherzigkeit und sein Segen,
bei all den Debatten um das "rote" Kopftuch, wird eine Sache, wie mir scheint, oft übersehen: Ein Kopftuch mit einem Kruzifix zu vergleichen ist eigentlich nicht richtig. Der Islam kennt eigentlich kein religiöses Symbol, das mit dem Kreuz des Christentums vergleichbar wäre, selbst wenn der Halbmond oft als Symbol des Islam adoptiert wird. Tatsächlich ist das Kopftuch eher Teil einer islamischen Tracht. Wenn man also den Menschen verbieten möchte ein Kopftuch zu tragen, das Teil ihrer Identität ist, weshalb stört man sich dann nicht beispielsweise am Schleier bzw. Kopftuch einer Nonne? Wir sehen in Deutschland oftmals Frauen im Gewande einer Nonne. Das zu dieser religiösen Ordenstracht gehörige Kopftuch, der Schleier, ist kein Symbol des Glaubens, sondern lediglich Teil der Glaubenstracht. Wenn wir nun Muslime betrachten, die ja eine religiöse Lebensweise führen, die durchaus mit einer klösterlichen Lebensweise vergleichbar ist (auch wenn sie auf z.T. sehr unterschiedlichen Ansätzen beruhen), so sehen wir letztendlich auch hier wieder nur einen Menschen in der Tracht seiner Religion, seines Glaubens, seiner "Ordens"zugehörigkeit. Nur weil sich die Muslime nicht in Klostergemeinschaften zurückziehen, sondern weiterhin teilhaben am Leben und Miteinander, kann man ihnen doch kaum den Status einer religiösen Gemeinschaft absprechen. Wer folglich Anstoß nimmt am Kopftuch der Muslima, sollte entsprechenden Anstoß nehmen am Schleier der Nonne.
Nun das Problem: Wenn einem Priester oder Pfarrer, einem Mönch oder einer Nonne, dem Kardinal, dem Bischoff oder Papst verboten wird, seine religiöse Gewandung in einer Schule zu tragen, dann, und nur dann, ist ein entsprechendes Verbot auch im Falle der Muslime zu akzeptieren.
Dies ist meine Meinung, und aus meiner Sicht folgerichtig.
Sascha Landes