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Leserbriefe

Dienstag, 29.07.2003



Jan Hendrik Schmitt:Ziviler Ungehorsam schrieb:


Liebe Freunde, werte Forum-Leser,

die letzten Einträge im Forum befassen sich oft mit dem - wohl bevorstehenden - Kopftuchverbot.

Egal, wie das Bundesverfassungsgericht entscheidet, müssen Muslime in Deutschland ihr Recht, den Glauben zu leben, durchsetzen. Notfalls gegen das Bundesverfassungsgericht, gegen die Obrigkeit- und leider auch gegen die islamfeindliche Bevölkerungsmehrheit.

Dazu steht der Weg des zivilen Ungehorsams bereit: es wäre schön, wenn auch jene Musliminnen, die normalerweise kein Kopftuch tragen, im öffentlichen Raum als Zeichen des Protestes Kopftücher tragen würde - bis die deutsche Gesellschaft einlenkt. Natürlich können sie danach wieder darauf verzichten - es geht schließlich nicht darum, einen Kopftuchzwang durchzusetzen, sondern allein den Schwestern zu helfen, die gerne ein Kopftuch tragen wollen. Ein GEdanke, der mir gekommen ist: man könnte den Freitag gewissermaßen zum "Kopftuchtag" machen, so dass zumindest an einem Tag der Woche alle zusammenhalten, und der deutschen Gesellschaft zeigen, daß auch Muslime Menschen mit (gleichen) Rechten
sind.

Bei einer solchen Aktion handelt es sich natürlich um eine Instrumentalisierung - aber die Not rechtfertigt dies vorübergehend. Eine solche vorübergehende Solidarisierung wäre auch deshalb gerecht, weil man diejenigen Musliminnen, die sich durch ihre Kleidung offener Diskrimierung aussetzen, dann zumindest tageweise nicht alleine lassen würde.

Diese Gesellschaft ist, wie alle oberflächlichen Gesellschaften des Westens, sehr auf visuelle Eindrücke fixiert. Es würde daher helfen, wenn kopftuchtragende Schwestern einen fröhlicheren, lebhafteren Eindruck machen würden, als man oft beobachten kann.

Zudem sollten Eltern muslimischer Kinder öfter auf dem Rechtswege gegen Lehrer vorgehen, die Kreuze am Hals tragen - wenn ein Kopftuch, das noch nicht einmal ein religiöses Symbol ist, verboten wird, dann muß erst recht das Kreuz oder ähnliche Symbole verboten werden. Auch gegen das Abhalten von Weihnachtsfeiern, die Aufstellung von Weihnachtschmuck an
öffentlichen Schulen sollte massenhaft mit Rechtsbeschwerden vorgegangen werden, solange nicht das Kopftuch im öffentlichen Raum zugelassen wird. Vorher sollte natürlich stets versucht werden, das Anliegen der Muslime zu erläutern, vielleicht sogar auf örtlicher Ebene zu einer gütlichen Einigung zu kommen.

Auch Kompromißbereitschaft darf nicht fehlen - vielleicht spricht ja nicht dagegen, daß muslimische Lehrerinnen (wie im arabischen Fernsehen), nur eine durchsichtige Kopfbedeckung tragen? Solche oder ähnliche Kompromisse sollten wegen des gegenseitigen Respekts nicht ausgeschlossen werden.

Insgesamt aber sollten die Muslime mit zivilem Ungehorsam auf Ungerechtigkeiten reagieren - damit könnten sie auch zeigen, daß sie sich für den Rechtsstaat einsetzen - der in der Kopftuchfrage ronischerweise gerade von den sonst so "gerechten" Christen verletzt
wird.

Jan H. Schmitt