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Leserbriefe

Dienstag, 07.05.2002



Abdullah F. Bubenheim:Palästinenser - die heutigen Indianer? schrieb:


As-salâmu ´alaikum wa-rah:matu ’Llâhi wa-barakâtuh.

Die Vertreibung und Ausrottung der Indianer und diejenige der Palästinenser.

Wie gleichen sich doch die Verhältnisse! Man braucht nur die Namen und ein paar spezifische, die jeweiligen Länder und die jeweilige Zeit betreffende Wörter auszutauschen, der wesentliche Inhalt der Aussage aber ist derselbe.
In seiner Reiseerzählung „In den Cordilleren“, die um das Jahr 1870 in Südamerika spielt, läßt der Autor einen argentinischen Indianer auf die Vorwürfe des Helden der Geschichte (Old Shatterhand = Karl May) wegen der Überfälle der Indianer auf die Weißen sagen:

„Geben Sie uns Ihre Waffen und Ihre Vorteile, so können wir uns anders
verteidigen. Bis dahin aber müssen wir uns der Waffen bedienen, welche wir besitzen.“ ...

„Sie glauben es nicht? Nun, so denken Sie doch an das gegenwärtige Beispiel! Der Sendador führt eine ganze, große Gesellschaft Weißer über den Parana. Die Leute wollen an den Rio Salado, welcher uns gehört. Sie wollen in unserem Gebiete wohnen und auf demselben Yerba suchen und die Wälder niederschlagen, die uns gehören und ohne welche wir nicht leben können. Ist das nicht Ueberfall? Haben sie uns um die Erlaubnis gefragt? Werden sie uns das bezahlen, was sie uns nehmen, den Fluß, die Wälder, die Yerba, die Bäume? Nein! Und wenn wir uns sträuben, uns berauben zu lassen, so greifen sie nach ihren Waffen und wenden Gewalt an. Wie viele von uns dabei getötet werden, das erzählen sie nicht. Und wenn sie je davon sprechen, so rühmen sie sich dessen. Habe ich recht oder nicht, Sennor?“

(Karl May, In den Cordilleren, 1. Kap. Im Gran Chaco, S. 9 f.)

Man könnte nun einen Palästinenser von heute den obigen Text folgendermaßen formuliert sagen lassen:

„... Sharon bringt eine große Anzahl von Siedlern in die West-Bank, die uns gehört. Sie wollen in unserem Gebiete wohnen und die Olivenbäume niederschlagen, die uns gehören und ohne welche wir nicht leben können. Ist das nicht Überfall? Haben sie uns um die Erlaubnis gefragt? Werden sie uns für das entschädigen, was sie uns nehmen, die Felder, die Weiden, die Bäume? Nein! Und wenn wir uns sträuben, uns berauben zu lassen, so schicken sie ihre Streitkräfte mit ihren Panzern und Flugzeugen und wenden Gewalt an (und zerstören unsere Infrastruktur). Wie viele von uns dabei getötet werden, das erzählen sie nicht oder versuchen es zu verbergen. Und wenn sie von Getöteten sprechen, so zählen sie ihre eigenen Leute auf. ...“


Ammân, den 19. Safar 1423 / 02.05.2002