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Sonntag, 11.07.2010

VIKZ Heime weder verfassungsfeindlich noch rückständig

Wissenschaftliche Studie entlastet Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ)

Mit einer wissenschaftlichen Studie ist der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) Kritik an der Pädagogik in seinen Jugendheimen entgegengetreten. Danach stehen in den bundesweit 19 Einrichtungen des Islamverbandes religiöse Unterweisung und eine allgemeine Bildungsvermittlung nahezu gleichberechtigt nebeneinander, wie die Duisburger Erziehungswissenschaftlerin Ursula Boos-Nünning am Freitag in Köln erläuterte. Als wichtigstes Motiv für den Besuch des Wohnheimes hätten 91 Prozent «einen guten Schulabschluss» genannt, 85 Prozent die Gelegenheit, über ihren Glauben lernen beziehungsweise ihre Religion ausüben zu können.

Die Studie zeige, dass nicht wie von Kritikern vermutet, Repressalien der Eltern die Kinder in die Heime bringe, so Boos-Nünning. Auch seien religiöse Ziele in den Einrichtungen nicht dem Lernen übergeordnet. Die Jugendlichen hofften auf bessere Bildungschancen. 41 Prozent der Jungen und Mädchen wollten einen Realschulabschluss erreichen, 26 Prozent das Abitur und 23 Prozent strebten ein Studium an. Für die Studie «Beten und Lernen» der Universität Duisburg-Essen (UDE) im Auftrag der VIKZ wurden laut Angaben 347 Jugendliche in 18 Heimen befragt. Lediglich 16 Heimbewohner nahmen nicht teil. Drei der Heime sind Mädchenheime, der Rest Jungenheime. Eine Einrichtung war zum Untersuchungszeitpunkt Mitte 2009 nicht besetzt.

Traditionelle Tugenden hätten bei den muslimischen Jugendlichen nahezu dieselbe Stellenwert wie «postmoderne Tugenden», so Boos-Nünning. 97 Prozent hielten den Zusammenhang in der Familie für wichtig, 88 Prozent sprachen sich für Achtung vor dem Alter aus. Ebenso wünschten sich 85 Prozent die Durchsetzung eigener Interessen und 97 Prozent Erfolg in Schule und Beruf. Defizite zeige die Studie etwa hinsichtlich der Freizeitkontakte und damit der Integration der Jugendlichen. So hätten 57 Prozent der Befragten angegeben, keine oder kaum Kontakte zu Gleichaltrigen von außerhalb des Heimes zu haben.

«Die Studie hat uns auch Hausaufgaben aufgegeben», sagte VIKZ-Präsident Mustafa Imal. Deren Erledigung wollten der Verband und die Trägervereine der Heime nun leisten. Er verdeutlichte, dass die Heime aus Sorge um das Bildungspotenzial jugendlicher Muslime und auf Wunsch vieler Eltern eingerichtet worden seien. Vorwürfe etwa über antiwestliche Einstellungen und religiöse Indoktrination beruhten auf verbreiteten Vorurteilen. Deshalb sei die Untersuchung für den VIKZ wichtig gewesen.«Wir hoffen, dass nun die Diskussion sachlicher verläuft und unsere Arbeit die notwendige Anerkennung erhält.» Gleichzeitig biete die Studie eine gute Basis für eine Optimierung der Schülerwohnheime. (Quelle: KNA und Islamische-zeitung.de)