Newsnational Mittwoch, 03.10.2007 |  Drucken

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"Moscheen - Brücken für eine gemeinsame Zukunft"

Muslime wollen sich öffnen und aufklären. „Das Morgengebet ist sehr wichtig, wenn man nicht zu faul ist für ein Rendezvous mit Gott vor Sonnenaufgang.“

Der Tag steht unter dem Motto "Moscheen - Brücken für eine gemeinsame Zukunft". Erstmals haben in diesem Jahr die im Koordinationsrat der Muslime (KRM)vertretenen Verbände gemeinsam eingeladen. Mit Moscheeführungen, Podiumsdiskussionen, Ausstellungen, Büchertischen und Folklore wollen die Moscheengemeinden das Gespräch mit den Mitbürgern suchen. Der Aktionstag "Tag der offenen Moschee" kurz TOM war zunächst 1997 vom Zentralrat der Muslime in Deutschland ins Leben gerufen worden. In den vergangenen Jahren waren jeweils hunderttausende Besucher gekommen. Erleichtert und zufrieden zeigt sich auch der neue Sprecher des KRM, Bekir Alboga schon zum Mittagszeit in einem Gespräch mit islam.de: „Schätzungsweise über hundert Tausend Besucher werden es wohl dieses Jahr werden, auch weit mehr als die Hälfte der Moscheen haben ihre Tore in diesem Jahr wieder geöffnet“ . Damit dürfte Besucherzahl in diesem Jahr leicht höher sein, als die vom vorigen Jahr.
Hier nun eine Auswahl von Berichten über TOM in den Städten, Frankfurt, Berlin, Hannover, Duisburg und Köln

Berlin:
Interreligiöser Dialog auf Socken - Tausende Berliner nutzen Tag der offenen Tür für Besuch in Moscheen --Von ddp-Korrespondent Bahador Saberi--
Der fünfjährige Anton möchte gerne wissen, was eine Moschee ist. Mit seiner kleinen Schwester Florentine und Mutter Kerstin besucht er deshalb die Sehitlik-Moschee in Berlin-Neukölln. «Anton ist in einem Alter, in dem er Antworten auf seine Fragen hören will», sagt Mutter Kerstin Klinkenburg. Deshalb hat sich die Familie zum bundesweiten Tag der offenen Moschee am Mittwoch für einen Besuch in Berlins größtem islamischen Gotteshaus entschieden.
Berlin (ddp-bln). Der fünfjährige Anton möchte gerne wissen, was eine Moschee ist. Mit seiner kleinen Schwester Florentine und Mutter Kerstin besucht er deshalb die Sehitlik-Moschee in Berlin-Neukölln.
«Anton ist in einem Alter, in dem er Antworten auf seine Fragen hören will», sagt Mutter Kerstin Klinkenburg. Deshalb hat sich die Familie zum bundesweiten Tag der offenen Moschee am Mittwoch für einen Besuch in Berlins größtem islamischen Gotteshaus entschieden. Kerstin Klinkenburg sagt, sie sei eine «nicht praktizierende Christin» und sie wolle ihren Kindern die Möglichkeit geben, sich möglichst frei zu orientieren. Den Gang in die Kirche haben die beiden mit ihrer katholischen Großmutter schon mehrere Male miterlebt. «Es gefällt mir sehr gut, wenn Menschen authentisch und ehrlich ihren Glauben praktizieren», führt die freiberufliche Ingenieurin an. Bei Anton hätten die Fragen wie etwa nach Jesus, den Moscheen oder dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas noch keine wissenschaftliche Tiefe, aber als Mutter sei es ihr Ziel, den Kindern bereits früh Orientierungshilfen zu geben. «Mehr über eine fremde Religion erfahren und den Islam genauer kennenlernen wollen die meisten Besucher der Sehitlik-Moschee am Tag der offenen Tür», sagt Pinar Cetin vom Moschee-Team. Auf dem Innenhof haben sich zur Mittagsstunde rund 100 Menschen versammelt und warten auf die Führung mit Cetins Ehemann Ender. Bevor die Besucher die Treppen hinauf ins Innere der Moschee gehen, erläutert Frau Cetin sehr präzise, wie und wo die Besucher ihre Schuhe ausziehen und in den dafür vorgesehenen Regale unterbringen sollen. «Die Frauen müssen keine Kopftücher tragen, das sei jedem selbst überlassen», sagt die Politik-Studentin Cetin. Es gibt nur diese eine Regel, dass die Schuhe ausgezogen werden müssen, damit der Teppich sauber bleibt. Denn Reinheit ist die halbe Religion, fügt ihr Mann Ender mit den Worten des Propheten Mohammed hinzu . Er erzählt den Menschen von den fünf Gebetszeiten, die ein Moslem einhalten sollte: «Das Morgengebet ist sehr wichtig, wenn man nicht zu faul ist für ein Rendezvous mit Gott vor Sonnenaufgang.» Zum Tag der offenen Moschee wollen sich die Moslems seinen Worten nach «weit öffnen», um mit Außenstehenden in einen Dialog zu treten. «Es sollen Bekanntschaften entstehen, offene Fragen beantwortet und Vorurteile abgebaut werden, das ist die Idee, die hinter der alljährlichen Veranstaltung am Tag der Deutschen Einheit steht», sagt Cetin. Das Ganze habe in erster Linie einen großen symbolischen Wert, denn an jedem Tag stehe die Moschee für interessierte Menschen offen. Jährlich gibt es 400 Führungen durch das Neuköllner Gebetshaus. Allein im vergangenen Jahr sind 10 000 Menschen in die Sehitlik-Moschee gekommen. Am Tag der offenen Moschee des vergangenen Jahres haben 3000 Menschen das Angebot angenommen. Insgesamt nehmen 16 der rund 70 Berliner Moscheen an der bundesweiten Veranstaltung teil. Die Häuser, die nicht daran teilnähmen, hätten in den meisten Fällen keinen Platz, um die Besuchermassen aufzunehmen, erläutert Ender Cetin. Häufig fehle es auch an Personal oder die Mitarbeiter verfügten nur über mäßige Deutschkenntnisse, was für eine Teilnahme an diesem Tag nicht sinnvoll sei. «Die meisten Fragen stellen die Besucher zu den Themen Terrorismus, der Rolle der Frau im Islam, zur Zwangsheirat und Ehrenmord», resümiert Pinar Cetin. Immer wieder versuche sie den Menschen zu erklären, dass der Terrorismus nicht durch ihre Religion gedeckt sei, dass es sich um politischen und nicht um religiösen Terror handle. «Zwangsehe und Ehrenmord gibt es im Islam genauso wenig», sagt sie. All diese Phänomene seien das auf das kulturelle Verständnis Einzelner zurückzuführen und hätten mit der Botschaft des Islam nichts gemein. ddp/bki/muc.


Hannover:
Großes Interesse an islamischen Gotteshäusern. Mehr als 100.000 Besucher haben am zehnten Tag der offenen Moschee die Gelegenheit für ein Kennenlernen genutzt. Rund 2.000 islamische Gotteshäuser beteiligten sich an dem Aktionstag. In diesem Jahr steht die Veranstaltng uner dem Motto "Moscheen - Brücken für eine gemeinsame Zukunft". Erstmals laden dazu die vier größten islamischen Dachverbände in Deutschland gemeinsam ein.
Hoffnung auf mehr Verständnis
"Wir hoffen, dass die hunderttausenden Begegnungen zu Brücken des Dialogs und des besseren Verständnisses werden", sagte Bekir Alboga vom Koordinierungsrat der Muslime. Neben Führungen durch die Moscheen standen auch Ausstellungen, Musik, Tanz und Büchermärkte auf dem Programm. Die weltweit einzigartige Aktion wurde 1997 zum ersten Mal veranstaltet. In diesem Jahr fällt der Aktionstag in den Fastenmonat Ramadan.

Die 3,3 Millionen in Deutschland lebenden Muslime können nach Angaben des Zentralinstituts Islam-Archiv Deutschland 164 Moscheen und 2.600 Gotteshäuser besuchen. Die älteste deutsche Moschee steht im baden-württembergischen Schwetzingen. Sie wurde 1783 erbaut.


Hessen:
CDU-Fraktionschef Christean Wagner begrüßte, dass die Moscheen nach einer langen Zeit der Abschottung den Weg zu einer stärkeren Öffnung einschlügen. Er kritisierte jedoch die Terminwahl. Es sei unpassend, ausgerechnet am Nationalfeiertag auch den "Tag der offenen Moschee" auszurufen. Der Tag der Deutschen Einheit sollte nicht durch andere bundesweite Aktionen relativiert werden, so der CDU-Politiker.
Dabei war das Datum von den Veranstaltern ganz bewusst gewählt worden, um das Selbstverständnis der beteiligten Muslime als Teil der deutschen Gesellschaft auszudrücken. "Wir Muslime in Deutschland betrachten uns als einen Teil der deutschen Geschichte", hatte der Sprecher des Koordinationsrats, Bekir Alboga, vor dem diesjährigen Moscheen-Tag erklärt.


Hamburg:
Der Tag der offenen Moschee hat Interessierten am Mittwoch die Möglichkeit zum Kontakt mit dem Islam in Hamburg geboten. Der Zulauf habe im Vergleich zum letzten Jahr jedoch etwas nachgelassen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Islamischen Gemeinde der Hamburger Centrum-Moschee, Ahmet Yazici. In der Hansestadt erwartete er bis zu 4500 Gäste in den 35 teilnehmenden Moscheen und Gebetshäusern, 400 bis 500 davon in der Centrum-Moschee in St. Georg.

Duisburg:
Mitten im Ramadan öffnen islamische Gemeinden ihre Türen. Auch die Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh.
DUISBURG. Der goldene Halbmond ("Alem") leuchtet oben auf den insgesamt 19 Kuppeln und auf dem 34 Meter hohen Minarett. Innen verlegen Handwerker die Rohre für die Fußbodenheizung. An der Warbruckstraße in Duisburg-Marxloh wird auf dem Kantinengelände eines ehemaligen Bergwerks eifrig am Neubau der sechs Millionen Euro teuren Merkez-Moschee gewerkelt: Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, ist hier eines der größten islamischen Gotteshäuser in Deutschland entstanden. Wer schon mal ´reinschnuppern will, hat heute beim Tag der offenen Moschee Gelegenheit zur Baustellenbesichtigung.
"Wir möchten im Frühsommer 2008 öffnen", hofft Zülfiye Kaykin, Geschäftsführerin des integrierten Besucherzentrums. Ihre vorsichtige Zurückhaltung hat Gründe: Probleme mit der Ausschreibung hatten den Bau des Gotteshauses verzögert, der im Gegensatz zur geplanten Kölner Moschee nicht von heftigen Protesten begleitet war. Das liegt nicht nur daran, dass der Anteil der muslimischen Bevölkerung im Duisburger Stadtteil Marxloh mit rund 50 Prozent besonders hoch ist. Es liegt auch daran, dass der Bau von Beginn an transparent geplant war und peinlich genau darauf geachtet wurde, die christlichen Nachbarn nicht zu provozieren. Zum Beispiel verzichtet die Gemeinde freiwillig auf den Ruf eines Muezzins und achtet sorgsam darauf, dass das Minarett nicht zu hoch aufragt.
"Die wollen das ausdrücklich so", bestätigt auch der Pastor der benachbarten katholischen Kirchengemeinde St. Peter, dessen Turmspitze 64 Meter weit in den Himmel reicht. Zülfiye Kaykin, die den Bau von Beginn an begleitet hat, mag solchen Diskussionen wenig Bedeutung beimessen: "Größe ist immer auch eine Machtdemonstration. Wer glaubt, hat das nicht nötig."
Mit der Moschee entsteht eine Sehenswürdigkeit im Stadtteil. Für die Gestaltung der zentralen Kuppel, die einen Durchmesser von zwölf Metern aufweist, wurde eigens der türkische Innenarchitekt Volkan Altinkaya beauftragt. Sobald die Visa erteilt sind, wird der Spezialist sechs Monate lang an den mit Blattgold überzogenen Stuckverzierungen und an den grünen, türkisen und bordeauxfarbenen Ornamenten arbeiten. "Hier entsteht etwas Einzigartiges", verspricht die zierliche Frau mit dem hellbraunen Schal über den Schultern, die von Beginn an das Marketing für den Moscheebau betrieben hat.
Mit Zülfiye Kaykin wird eine moderne Muslima künftig das Begegnungszentrum der Moschee leiten: Die gelernte Einzelhandelskauffrau war bis 2004 Filalleiterin einer großen Schuhhandelskette, bevor sie hauptamtlich in die Gemeindearbeit einstieg. Nach ihrer Überzeugung entspricht der Bau dem Lebensgefühl der Moslems, die mittlerweile in zweiter und dritter Generation ihren Glauben am Niederrhein leben: nicht provozierend, aber durchaus selbstbewusst. "Wir müssen mit unseren Moscheen ´raus aus den Hinterhöfen. Wir müssen uns öffnen. Ansonsten wird man uns weiter mit Misstrauen begegnen."
Noch bis zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan am 12. Oktober können sich Interessierte im benachbarten Zelt täglich gegen 19 Uhr beim gemeinsamen Iftar-Essen (Fastenbrechen) über das Projekt informieren . GEÖFFNET
Duisburg: Merkez-Moschee (Ditib), Marxloh, Warbruckstraße 51, 11-17 Uhr. Rheinhausen: Ahmet Yahsi, Friedrich-Alfred-Straße213, 16-18.30 Uhr. Nuru-Osmaniye, Geest Str. 12, 15-18 Uhr. Homberg: Yeni, Moerser Str. 103, 15-18 Uhr. Bruckhausen: Fatih, Diesel Str. 24, 15-18 Uhr, Mevlana, Bayreuther Str. 14, 16-18.30 Uhr . Hochfeld: Bayram Veli, Wanheimer Str. 8, 17.30-19.30 Uhr, Osmanli, Friedenstr. 6, ab 18 Uhr. Dinslaken: Ditib, Lohbergstr. 3-5, Tel: 02064/31861. Moers: VIKZ, Barbara Straße 12, bis 19 Uhr. Ditib, Lintforter Str. 41, Tel: 02841/74632.

Köln:
Zehntausende Besucher haben am Mittwoch beim «Tag der Offenen Moschee» islamische Gotteshäuser besucht und mit Muslimen diskutiert. «Es gab viele gute Gespräche», Vorurteile seien abgebaut worden, sagte Ögütlü Seyfi vom Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ). Die Besucherzahl des Vorjahres von 90 000 sei mindestens wieder erreicht worden. Unter dem Motto «Moscheen - Brücken für eine gemeinsame Zukunft» gab es neben Führungen durch die Moscheen in den religiösen Gemeinden auch Ausstellungen, Büchermärkte und Folklore.

Bundesweit seien am Mittwoch etwa 150 im VIKZ organisierte Moscheen geöffnet gewesen, sagte der Sprecher. Der VIKZ ist einer von vier muslimischen Dachverbänden. In der DITIB-Moschee in Köln, um deren Neubau es seit Monaten öffentlichen Streit gibt, wurden bis zum Abend etwa 200 Gäste erwartet, sagte der DITIB-Dialogbeauftrage und Sprecher des Koordinierungsrates, Bekir Alboga.

Nach 1000 Moscheen im vorigen Jahr waren am Mittwoch doppelt so viele muslimische Gotteshäuser geöffnet. Mit der alljährlichen Aktion am Nationalfeiertag wollen die Muslime den Dialog anbieten und zugleich ihr Selbstverständnis als Teil Deutschlands hervorheben. In Deutschland leben über drei Millionen Muslime.






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