Newsnational Sonntag, 21.10.2001 |  Drucken

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Geschäftsführer der Landesmedienanstalt Sachsen-Anhalt, Christian Schurig, warnt vor zu massiven Eingriffen in die Meinungs- und Pressefreiheit

Unterdessen plädiert der Börsenverein des Deutschen Buchhandels für Buchprojekte in der islamischen Welt und vergisst dabei die Muslime im eigenen Land. Haltung des diesjährigen Literatur-Nobelpreisträgers zum Islam.

In Berlin, Hamburg und Frankfurt dürfen Macher islamischer Programme «Focus» zufolge, ihre Sendungen im Offenen Kanal nur noch zeigen, wenn sie vorher eine deutsche Übersetzung vorlegen. Fremdsprachige Live-Programme seien häufig gar nicht mehr erlaubt, schrieb das Magazin.

Der Geschäftsführer der Landesmedienanstalt Sachsen-Anhalt, Christian Schurig, warnte vor zu massiven Eingriffen in die Meinungs- und Pressefreiheit. Seit Bestehen der Offenen Kanäle sei kein Fall bekannt geworden, in dem Moslems über den Bildschirm zur Gewalt aufgerufen hätten. In Deutschland existieren laut «Focus» über 100 offene Fernseh- und Radiosender, in denen Privatpersonen in eigener Verantwortung Programme gestalten können.

Islam.de liegt ein interner Aufruf der Hessischen Landesanstalt für Privaten Rundfunk vor, in dem die Studios eingeschüchtert werden und gefordert wird, übersetzte Inhaltsangaben von den jeweiligen Urhebern zu verlangen. Angesichts dieser und ähnlicher Vorfälle ist es schwer, das bei den Muslimen allgemein verbreitete Vorurteil der Einseitigkeit in den Medien, zu entkräften.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels plädiert für Buchprojekte in der islamischen Welt und vergisst dabei die Muslime im eigenen Land.

Underdessen plädiert der Börsenverein des Deutschen Buchhandels angesichts der aktuellen Weltlage dafür, verstärkt Buchprojekte in arabischen Ländern mit deutschen Geldern zu fördern. Junge Intellektuelle in der islamischen Welt seien an Literatur aus dem Westen sehr interessiert, kämen aber nicht an Bücher, da viele Verlage dort zu wenig Geld für Veröffentlichungen hätten. «Wir könnten enorm viel bewirken, etwa Bücher über die Stellung der Frau in der Gesellschaft oder Rechte von Minderheiten unterstützen», meinte der Vorsitzende Emmerling in einem dpa-Interview. Übersetzungsförderung deutscher Literatur werde vom Auswärtigen Amt mit 1,2 Millionen Mark bezuschusst. Auf diesem Feld sei mehr möglich und nötig. «Wir brauchen viel mehr Zugangsmöglichkeiten zu Andersdenkenden», betonte Emmerling.

Diese Forderung ist zu unterstreichen, sie gilt jedoch im eigenen Land um so mehr. Denn es darf an dieser Stelle auch an die Minderheit der Muslime im eigenen Land gedacht werden, deren eigene Stimme ebenso fast unbeachtet bleibt. Bisher begnügte man sich über die Muslime zu berichten und zu schreiben, anstatt auch ihre authentische Literatur einem breiterem Publikum zugänglich zu machen.


Literaur-Nobelpreis

Abschließend sei noch zu vermerken, dass der neue Literatur-Nobel-Preisträger V.S. sicherlich jederzeit durch seine beeindruckende literarische Qualität überzeugt, dennoch ist schon früh in seinen Werken eine Abscheu gegenüber islamischen Ländern und Kulturen gehegt worden, die ihn zwar faszinierten, aber dies doch eher durch, aus seiner Sicht, kulturelle Minderwertigkeit. Wer seine Werke kennt, wird dies nicht leugnen können; zwar ist er als gebürtiger Hindu auch gegenüber dieser seiner Geburtskultur abweisend, aber die Skizzen über indische Muslime oder seine Reise in die islamischen Staaten läßt eine starke Herablassung gegenüber dem Islam und seinen Anhängern erkennen. Naipaul ist klug genug, dies immer wieder durch ihm nahestehende positive Einzelcharaktere zu verbergen, aber nie verläßt er dabei den Blickwinkel des "Zivilisierten" gegenüber dem "edlen Wilden".






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