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Mittwoch, 07.04.2021


"Wahrlich ein Freund Abrahams"

Zahlreiche Religionsvertreter, darunter der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek, äußerten Trauer über den Tod Hans Küngs. Der Gründer der Weltethos-Projektes war gestern gestorben

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, betonte, Küng sei von der Idee beseelt gewesen, Frieden zwischen den Religionen zu stiften. Küng sei "wahrlich ein Freund Abrahams" gewesen. "Er wird uns sehr fehlen." Mazyek schrieb in seinem Nachruf: „In seiner Schaffensphase war er vor allem beseelt von der Idee, Frieden zwischen den Religionen zu stiften. „Kein Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen“ war sein Credo. Er wird uns sehr fehlen; ich erinnere mich gerne an Begegnungen mit ihm. Hans Küng war wahrlich ein Freund Abrahams und leidenschaftlicher Streiter auf beste Art und Weise für den Dialog. Nun ist der Gründer der "Stiftung Weltethos" Hans Küng gestorben. Seine Ideen leben weiter.“

Der Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, würdigte einen "Pionier der Ökumene und des interreligiösen Dialogs". Küng sei in vielem seiner Zeit voraus gewesen. "Auf Hans Küngs Leben hat viel Segen gelegen, und es ist von ihm viel Segen ausgegangen."

Die Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschlands (ARK) sprach von einem "streitbaren Mahner, der Schule gemacht hat, ohne selbst von seiner Kirche rehabilitiert worden zu sein". Der Vorsitzende Andreas Nachama erinnerte daran, dass Küng 2018 den Preis für Zivilcourage des Heine-Kreises Düsseldorf erhalten hatte.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, sprach ebenfalls von einem "großen Ökumeniker, einem bedeutenden Theologen und freien Geist, der die Kirche liebte und verändern wollte". Als Theologe sei Küng ein "Weltpolitiker der Religionen" gewesen.

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck nannte Küng einen glaubwürdigen Mahner und authentischen Christen. Küng habe Brücken zwischen Kulturen und Religionen gebaut. Notwendig sei eine "vertrauensvolle, eben geschwisterliche interreligiöse Dialogkultur, die es so zu pflegen gilt, wie Hans Küng es immer tat", so Overbeck.

Die Päpstliche Akademie für das Leben nannte Küng eine "große Gestalt in der Theologie des vergangenen Jahrhunderts". Küngs Ideen und Analysen nötigten zur Reflexion über Kirchen, Gesellschaft und Kultur.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. äußerte sich nicht zum Tod seines akademischen Kollegen aus gemeinsamen Tübinger Zeiten. Auch von Papst Franziskus oder anderen vatikanischen Stellen gab es bislang keine offizielle Würdigung. In den vergangenen 30 Jahren engagierte sich Küng für den Dialog der Weltreligionen, insbesondere im "Projekt Weltethos". 1979 hatte ihm der Vatikan die Lehrerlaubnis entzogen, unter anderem wegen Kritik an der Lehre der Unfehlbarkeit des Papstes. Der Wissenschaftler erhielt viele Auszeichnungen, darunter mehr als ein Dutzend Ehrendoktorwürden.