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Montag, 30.11.2020


Kardinal Schönborn

Kardinal Schönborn: Dialog mit Muslimen ist der einzige und wichtigste Weg

An einen Frieden der Glaubensgemeinschaften hatten schon zahlreiche religiöse Lehrer in der Geschichte geglaubt, so auch der Papst. "Das ist der Weg, ich sehe keinen anderen", so Schönborn.

Rom Kardinal Christoph Schönborn hält trotz des Attentats von Wien am Dialog mit Muslimen fest und steht solidarisch mit den Muslimen Seite an Seite gegen die Hetze, Muslimfeindlichkeit und Diskriminierung ihnen gegenüber. Kritiker eines solchen Dialogs bezeichneten die Hoffnung auf Eintracht zwischen den Religionen als träumerisch und naiv. "Ich bin nicht dieser Ansicht", sagte der Wiener Erzbischof der italienischen Zeitschrift "Famiglia Cristiana" (Ausgabe Donnerstag). Allerdings gehe es "in kleinen aber beständigen und grundsoliden Schritten" vorwärts.

Die katholische Kirche in Wien habe nach dem Anschlag vom 2. November eine "einfache Antwort" mit gemeinsamen Gebetsveranstaltungen von Muslimen, Juden und christlichen Gemeinschaften gesucht. "Das ist der Weg, ich sehe keinen anderen", sagte Schönborn.

Papst Franziskus greife die Themen Toleranz, Geschwisterlichkeit und Zusammenleben der Religionen mit seiner jüngsten Enzyklika "Fratelli tutti" sehr gut auf, sagte der Kardinal. Das von Franziskus und dem ägyptischen Großimam Ahmad Al-Tayyeb 2019 unterzeichnete "Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen" nannte Schönborn "ein Wort der Hoffnung". An einen Frieden der Glaubensgemeinschaften hätten schon vor Franziskus auch zahlreiche andere religiöse Lehrer in der Geschichte geglaubt, betonte der Dogmatiker Schönborn.

Gewaltakte wie der von Wien, wo ein "islamistischer" Täter vier Menschen erschoss, nötigten auch zu einem Augenblick der Reflexion, sagte Schönborn weiter. "Wir müssen uns fragen, was uns diese jungen Menschen sagen, die sich radikalisieren. Welche Herausforderung stellen sie für die Gesellschaft dar? Und für die Religionen? Für die Christen und die Muslime? Darüber müssen wir uns gemeinsam befragen", sagte der Kardinal.