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Mittwoch, 15.07.2020


Hagia Sophia (Aussicht Mittelmeer)

Apostolischer Vikar: Umwidmung der Hagia Sophia nachvollziehbar

Vorsitzender des ZMD Aiman Mazyek und Vikar empfehlen Öffnung der Hagia Sophia für Muslime und Christen - "einzigartiges Zeichen des gegenseitigen Respektes und eine Geste tiefen Religionsverständnisses allemal"

Rom Paolo Bizzeti, Apostolischer Vikar von Anatolien, hat Verständnis für die Umwidmung der Istanbuler Hagia Sophia zur Moschee geäußert. Die Entscheidung sei "keine Kurzschlusshandlung" von Präsident Recep Tayyip Erdogan gewesen, sagte der italienische Jesuit dem katholischen Pressedienst SIR (Montag). Schließlich befürworteten laut aktuellen Umfragen 70 Prozent der türkischen Bevölkerung den Schritt. "Das ist eine Tatsache, der man Rechnung tragen muss." Dennoch teile er den Schmerz vieler Christen angesichts der neuen Entwicklung.

Das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei hatte am Freitag den Status des berühmten Bauwerks als Museum aufgehoben. Erdogan unterzeichnete darauf ein Dekret zur Nutzung der Hagia Sophia als Moschee.

Bischof Bizzeti hofft, dass auch Christen künftig eine Gebetsmöglichkeit in dem als kaiserliche Kirche errichteten Gotteshaus eingeräumt wird. Zuversicht schöpfe er aus "Hinweisen auf Glauben und Gebet", die Erdogan in seiner Entscheidungsbegründung gegeben habe. Bizzeti bezeichnete den Präsidenten als einen "Mann des Glaubens und der Religion". Nun müsse man abwarten, wie die Umgestaltung der Hagia Sophia letztlich ausfalle.


Innenarchitektur Hagia Sophia
Gebetsmöglichkeit für Muslime und Christen

Die Vorstellung, dass Muslime wie auch Christen im Gotteshaus wieder beten könnten, unterstrich der Vorsitzende des ZMD Aiman Mazyek auf Facebook zur Zeit der Umwidmung der Hagia Sophia und wies darauf hin: "Die Hagia Sophia, wo über ein Jahrtausend gebetet wurde, ist kein Museum. Dennoch sehe ich im Hinblick des Dialoges der Religionen und Völkerverständigung die Gerichtsentscheidung problematisch. Können nicht Muslime und Christen in dem großen Gotteshaus jeweils ihren Gottesdienst beten? Das wäre doch ein großes und einzigartiges Zeichen des gegenseitigen Respektes und eine Geste tiefen Religionsverständnisses - der wahren Stärke allemal."

Die Hagia Sophia, die der göttlichen Weisheit gewidmet ist, wurde 537 als Reichskirche des griechisch-orthodoxen Kaiserreichs Byzanz geweiht. Nach der Eroberung Konstantinopels, des heutigen Istanbul, durch die türkischen Osmanen wurde sie 1453 zur Moschee und mit Minaretten versehen. Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk machte sie 1934 zum Museum.