islam.de - Druckdokument - Druckdatum: Donnerstag, 14.11.19
http://www.islam.de/31759.php


islam.de - Alle Rechte vorbehalten

Freitag, 08.11.2019


ZMD: Deutschpflicht geht nur mit Empowerment-Strategie gemeinsam mit und für die Moscheen

Religionspolitiker haben die geplante Deutsch-Pflicht für ausländische Geistliche kritisiert - Mazyek: "Die Sprache und Ausbildung der Imame kann nur mit muslimischen Religionsgemeinschaften zusammen optimiert werden."

Der Vorstandsvorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland Aiman Mazyek versicherte, der ZMD setze sich für die notwendige Optimierung der Imame ein, was Sprache und Ausbildung angehe. Das gehe aber nur mit den muslimischen Religionsgemeinschaften zusammen. Hierzu braucht es Konzepte, wie eine Imamausbildung erfolgreich in Deutschland ausgebaut werden kann. Eine Deutschpflicht alleine für ausländische Geistliche reicht längst nicht aus und lässt die Gemeinden am Ende alleine, wie das mögliche Vakuum füllen können, Geistliche hierzulande hervorzubringen.

Religionspolitiker von Grünen, AfD und Linkspartei haben die geplante Deutsch-Pflicht für ausländische Geistliche kritisiert. "Der Kabinettsbeschluss, nach dem ausländische Geistliche künftig Deutschkenntnisse nachweisen müssen, löst das Problem von aus dem Ausland und möglicherweise staatlich beeinflussten Imamen nicht", sagte Konstantin von Notz, Beauftragter der Grünen-Bundestagsfraktion für Religion und Weltanschauungen, der "Welt" (Freitag): "Was es braucht, ist vielmehr die Förderung von Ausbildungsprogrammen für Imame und islamische Religionsbedienstete in Deutschland.

"Kritik äußerte auch Linken-Politikerin Christine Buchholz: "Statt populistische Forderungen nach Deutschpflichten zu erheben, sollte die Bundesregierung die Energie lieber in eine gleichberechtigte Imamausbildung für Muslime in Deutschland investieren", sagte die religionspolitische Sprecherin der Fraktion.

Positiv wertete dagegen der für Religionsthemen zuständige Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion, Christoph de Vries, den Gesetzentwurf. Er gehe davon aus, "dass viele bislang für eine Beschäftigung in Deutschland infrage kommende Imame aus der Türkei künftig nicht mehr in Deutschland tätig sein werden". Stattdessen würden türkischstämmige Deutsche hier vermehrt als Imame ausgebildet und in den Moscheegemeinden tätig werden.

Die Bundesregierung will eine Deutsch-Pflicht für ausländische "Religionsbedienstete" wie Imame einführen. Das bestätigte am Mittwoch ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Das Bundeskabinett brachte einen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte im März mit Blick auf die Debatte um die Sprachkenntnisse von ausländischen Geistlichen vor zu großen Hürden gewarnt. Die Anforderungen dürften nicht dazu führen, dass die Einreise der Betroffenen faktisch unmöglich gemacht werde. (KNA/eigene)