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Montag, 08.10.2018

Nobelpreisvergabe lenkt Blick auf sexuelle Gewalt in Kriegen

Auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland beglückwünscht Denis Mukwege und Nadia Murad zur Wahl für den Friedensnobelpreis.

(KNA/Eigene) Die Vergabe des Friedensnobelpreises an die irakische Jesidin Nadia Murad (25) und den kongolesischen Arzt Denis Mukwege (63) rückt den Kampf gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen in den Fokus. Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland Aiman Mazyek gratulierte den Preisträgern.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) bezeichnete Vergewaltigungen im Krieg als Kriegsverbrechen. Das Nobelpreiskomitee habe mit seiner Wahl ein wichtiges Zeichen gesetzt, betonte er in einem Gastbeitrag in der "Passauer Neuen Presse" (Samstag). "Es gibt keinen Frieden auf der Welt, solange sexuelle Gewalt als abscheuliche Waffe benutzt wird und Frauen und Mädchen nicht die gleichen Rechte haben wie Männer", so Müller. Es sei "höchste Zeit", diese Verbrechen auch konsequent zu ahnden. Die internationale Gemeinschaft müsse die Bestrafung dieser Kriegsverbrecher mit deutlich mehr Nachdruck verfolgen. Außerdem appellierte Müller, nicht wegzuschauen und den Frauen zu helfen, mit Rechtsberatung, Traumabehandlung und medizinischer Hilfe.

Der Vorsitzende des Zentralrates der Jesiden in Deutschland, Irfan Ortac, unterstrich, dass mit der Ehrung von Nadia Murad der Fokus wieder auf die Jesidinnen gelenkt werde, die sich immer noch in der Gefangenschaft der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) befänden. Seit vier Jahren sei die 25-Jährige "unermüdlich unterwegs, um auf das Schicksal der Jesiden und anderer Opfer des IS hinzuweisen", sagte Ortac der "Heilbronner Stimme" (Samstag). "Es sind immer noch etwa 1.000 Frauen in den Händen des IS - so, wie es Nadia Murad war. Sie werden versklavt und missbraucht. Insgesamt sind noch knapp 2.600 Jesiden verschollen", sagte er. Außerdem forderte Ortac einen Masterplan, der die Rückkehr von Jesiden in ihre Heimat ermöglichen soll.

Vor allem drei Voraussetzungen müssten geschaffen werden: Die Menschen müssten sich wieder sicher fühlen können, zurzeit herrschten in der Region schiitische Milizen. Der Wiederaufbau müsste zusammen mit Jesiden geleistet werden, mit jesidischen Handwerkern und Dienstleistern. Dafür dürfe Entwicklungshilfe nicht in Projekten in den Lagern versickern. "Wenn es möglich wäre, einen Lohn zu erwirtschaften, der den Lebensunterhalt gewährleistet, dann kämen sicher viele wieder zurück", so Ortac.

Die Menschenrechtsaktivistin und Publizistin Düzen Tekkal forderte angesichts der Ehrung bessere Bleibemöglichkeiten für jesidische Flüchtlinge in Deutschland. "Wir brauchen bessere Möglichkeiten für Jesidinnen und Jesiden, in Deutschland Asyl zu erhalten", sagte sie der "Welt".

Am Freitag hatte das norwegische Nobelkomitee in Oslo die Auszeichnung an Nadia Murad und Denis Mukwege bekanntgegeben. Die UN-Sonderbotschafterin gegen Menschenhandel Murad, die vom IS versklavt wurde, und der Gynäkologe Mukwege, der eine Klinik für Opfer sexueller Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo leitet, werden für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen und bewaffneten Konflikten ausgezeichnet.