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Montag, 30.04.2018


Kontroverse Reaktionen zum Kreuz in bayrischen Amtsstuben

Muslime haben kein Problem mit dem Kreuz, überhaupt mit der Wertschätzung der Religion im gesellschaftlichen Leben. Die staatliche Neutralität sollte dabei aber stets gewahrt bleiben. Was nicht geht ist die Doppelmoral, christliche Symbole zu akzeptieren, aber muslimische, jüdische oder andere aus der Öffentlichkeit zu verbannen.

Die Verpflichtung zum Anbringen von Kreuzen in allen staatlichen Behörden Bayerns ruft unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick begrüßte den Beschluss des Kabinetts vom Dienstag. "Das Kreuz aufzuhängen und als Zeichen der Einheit, der Versöhnung, des Friedens, der Geschwisterlichkeit, der Solidarität deutlich zu machen, das ist natürlich gut", sagte Schick am Mittwoch im Bayerischen Rundfunk (BR). "Alle Menschen, die das Kreuz anschauen, verpflichten sich, das zu leben und voranzubringen, was das Kreuz bedeutet."

"Wir Muslime haben kein Problem mit dem Kreuz, überhaupt mit der Wertschätzung der Religion im gesellschaftlichen Leben. Die staatliche Neutralität sollte dabei aber stets gewahrt bleiben. Was nicht geht ist die Doppelmoral, christliche Symbole zu akzeptieren, aber muslimische, jüdische oder andere aus der Öffentlichkeit zu verbannen", sagt Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrat der Muslime in Deutschland.

Das Kreuz könne Menschen aller Religionen miteinander verbinden, so Schick weiter. Es gebe nur einen Gott, den Christen, Muslime und Juden anriefen. "Wir müssen im interreligiösen Dialog darüber sprechen, dass wir den einen Gott erkennen, der uns verbindet und zusammenführt", so der Erzbischof.

Am Dienstag hatte das bayerische Kabinett beschlossen, künftig im Eingangsbereich von Dienstgebäuden des Freistaats ein Kreuz als "sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland" aufzuhängen. Die Verpflichtung gilt ab 1. Juni. Gemeinden, Landkreisen und Bezirken wird empfohlen, entsprechend zu verfahren. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, das Kreuz sei grundlegendes Symbol "unserer bayerischen Identität und Lebensart".

Der katholische Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose warf Söder vor, das Kreuz zu missbrauchen, "um die Ausgrenzung von Menschen anderen Glaubens zu betreiben". Viele katholische und evangelische Christen, darunter Pfarrer und Ordensleute, empfänden es "zunehmend als eine Provokation und als Heuchelei, wie Sie über das Christentum öffentlich reden", schreibt Hose an Söder.

Das Kreuz sei nicht nur Etikett oder Ausweis einer bestimmten Identität, sondern Erinnerung an den Lebensweg Jesu, "dessen grenzenlose Liebe und dessen besondere Parteinahme für Ausgegrenzte ihn letztlich ans Kreuz brachten", so Hose. Es sei Verpflichtung, diesen Weg Jesu weiterzugehen. "Demonstrieren Sie nicht Christlichkeit, sondern praktizieren Sie diese!" Ein erster Schritt wäre es daher, die Abschiebungen nach Afghanistan auszusetzen.

Ähnlich hatte sich am Dienstag der Bochumer katholischen Theologen Georg Essen geäußert. "Ich dachte, dass das Kreuz ein christliches Symbol für die Erlösung ist, die durch Gott geschenkt wird", schrieb Essen auf Twitter. Dass die bayerische Landesregierung das Aufhängen von Kreuzen als "sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland" bezeichne, sei eine Instrumentalisierung und "eine veritable Häresie", also eine Irrlehre.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sagte dem BR, ein Kreuz an der Wand bedeute eine "Selbstverpflichtung". Die Botschaft, die vom Kreuz ausgehe, stehe für Menschenwürde, Nächstenliebe und Humanität. An diesen Maßstäben müsse sich auch politisches Handeln messen lassen.