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Mittwoch, 28.02.2018


Frank Staffel, MdB

Cem Özdemir: Grüner bei Schwarzen

Am 11. Februar lud der Reinickendorfer CDU-Kreisvorsitzende Frank Steffel zum Neujahrsempfang seiner Partei ein. Der Berliner Bundestagsabgeordnete präsentierte als Festredner seinen Bundestagskollegen Cem Özdemir von den GRÜNEN.

Der sprach dann auch von dem „Grünen bei den Schwarzen.“ In seiner Rede betonte Özdemir, die demokratischen Parteien müssen gerade jetzt zusammenhalten. Natürlich gebe es „zwischen LINKEN, GRÜNEN, SPD, FDP und Union Unterschiede. Es handelt sich ausnahmslos aber um ein demokratisches Spektrum im Deutschen Bundestag.“ Ausdrücklich betrachtet er die neu in den Bundestag eingezogene AfD nicht zu den Anhängern des demokratischen Spektrums.

Der Vorschlag, dass Zuwanderer ein KZ besuchen sollten, wird von ihm begrüßt. Der Hinweis manches „Zeitgenossen, die Neuankömmlinge sollten sich zum Grundgesetz bekennen, unterstütze ich ebenfalls. Ich rege aber ebenso an, dass mancher Biodeutsche auch mal seine Nase ins Grundgesetz steckt. Das kann nie schaden.“ Wer dem GRÜNEN-Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir zugehört hatte, musste feststellen, dass das manchmal aufgebauschte Bild von der angeblich nicht gelingenden Integration von Ausländern nicht stimmen kann. “Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Mit viel Humor sprach Özdemir auch Begriffe wie Heimat und Kultur an. „Ich schwätzle ja schon viel Schwäbisch. Aber unser Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble übertrifft mich da noch. Er darf das ja auch, er ist ja auch älter als ich.“ Özdemir betonte auch, man müsse die Dinge immer von zwei Seiten betrachten. „Noch in den 80er Jahren gaben Arbeitgeber den Betriebsratsmitgliedern, wenn die Sprachkurse für die klassischen Gastarbeiter gefordert hatten, den Hinweis: Für die paar Handgriffe am Fließband braucht man keinen Sprachkurs.“ Unter den Zuhörern des Neujahrsempfangs traf man auch die ehemalige Berliner Staatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner an. Die CDU-Politikerin ist Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses.

Als erster muslimischer Mandatsträger aus den Reihen der CDU/CSU konnte sie bereits 2006 ein Direktmandat gewinnen. Emine Demirbüken-Wegner teilte im Pressegespräch mit: „Der Schriftsteller Max Frisch sagte bezugnehmend auf die Gastarbeitereinwanderung einmal

"Wir haben Arbeitskräfte gerufen. Aber es sind Menschen gekommen."

Die Rede von Cem Özdemir auf dem Empfang der CDU hat mich erneut daran erinnert. Die Menschen, die gekommen sind bzw. deren Nachfahren - wie auch ich einer von denen bin - stehen in unserer heutigen Gesellschaft auch für Deutschland mit in der Verantwortung. Dies gilt für die Gestaltung der Gegenwart und Zukunft wie aber auch für die Verantwortung von Deutschlands Vergangenheit. Özdemir spricht mir aus dem Herzen, wenn er wie Andere dafür plädiert, zum Beispiel KZ -Besuche für Flüchtlinge durchzuführen. Denn auch diesen Menschen muss gezeigt werden, dass es mitten in einem hochzivilisierten Europa das millionenfache Töten in Konzentrationslagern gab, dass Juden, kritische Christen, politisch Andersdenkende, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas und Homosexuelle für ihre Herkunft, ihre Religion, ihren Auffassungen, ihren Neigungen und Veranlagungen gequält und getötet wurden. Und denen unter uns, die widerwärtig von Vergasungslügen reden und die Nazis heute reinwaschen wollen, muss man wieder und wieder im Sinne der 1985er Rede Richard von Weizsäckers unser aller Verantwortung aktiv entgegenhalten.“ (Volker-Taher Neef, Berlin)