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Montag, 18.12.2017

"2018 wird das Jahr der Entscheidungen"

Islam-Institut für Humboldt-Uni vor wichtigen Weichenstellungen

Berlin (KNA) Die geplante Gründung eines Instituts für Islamische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität (HU) kommt voran. Eine Arbeitsgruppe von Berliner Senat, Universität und fünf muslimischen Verbänden wolle bis Weihnachten den erforderlichen Vertrag über Zusammensetzung und Rechte des Institutsbeirats abschließen, kündigte der Gründungsbeauftragte für das Institut, Michael Borgolte, am Montag im Berliner Abgeordnetenhaus an.

Vor dessen Wissenschaftsausschuss erklärte er, dass im kommenden Januar das Berufungsverfahren eingeleitet werden solle. Zugleich räumte er ein, der Studienbetrieb könne voraussichtlich nicht wie angestrebt zum Wintersemester 2018/19 beginnen, sondern frühestens im Sommersemester 2019.

Borgolte begründete die Verzögerung mit dem "langen Beratungsbedarf" der muslimischen Verbände. Im Beirat können sie zusammen mit vier Hochschullehrern an der Berufung der Professoren für das Institut mitwirken. Dies werde entsprechend den Rechten erfolgen, wie sie auch die Kirchen für die Theologischen Fakultäten haben, betonte Borgolte. Einspruch erheben könnten sie, wenn Hochschullehrer aus ihrer Sicht gegen das Glaubensbekenntnis oder "möglicherweise auch gegen Lebensführung" verstoßen, die für Muslime gelte.

Die Mitwirkung ausschließlich von Verbänden, die einer konservativen Auslegung des Islam zugerechnet werden, stößt bei anderen muslimischen Organisationen auf Kritik. Borgolte verteidigte die Entscheidung mit dem Argument, dass der Beirat möglichst viele Muslime repräsentieren solle. Der Historiker wandte sich dagegen, die Zusammensetzung jetzt zu verändern. Dies würde den Prozess der Institutsgründung um "mindestens ein Jahr" verzögern. Allerdings sei die Zusammensetzung des Beirats nicht für immer festgelegt.

Bei der Anhörung erklärte die Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bunds, Nushin Atmaca, die Bereitschaft ihres Vereins zur Mitarbeit im Beirat. Zugleich sah sie die Chancen einer Mitwirkung als sehr gering an, wenn das Gremium wie vorgesehen "funktioniert". Zu dem 2010 gegründeten Verein gehören nach Angaben seiner Vorsitzenden vier Gemeinden in vier Städten, darunter Berlin.Als bereits erreichten Fortschritt führte Borgolte die Einigung über die Aufgabenstellung der Instituts-Professuren an. Sie werden für Islamische Textwissenschaft, Religionspädagogik und Praktische Theologie, Islamisches Recht in Geschichte und Gegenwart sowie - im Rahmen einer Juniorprofessur - für Islamische Religionsphilosophie und Glaubensgrundlagen ausgeschrieben.

Zudem liegt beim Bundesforschungsministerium ein Antrag auf zwei Forschungsprofessuren über Islamische Ideengeschichte von 1200 bis 1800 sowie zu vergleichender Theologie in islamischer Perspektive vor. Der Förderantrag umfasst zudem zwei "Nachwuchsgruppen" von Doktoranden zu Perspektiven religiöser Vielfalt in der islamischen Theologie sowie zu Islamischer Theologie im Kontext von Wissenschaft und Gesellschaft.

Borgolte erklärte weiter, in Zusammenarbeit mit den Professoren würden die Studienordnungen des Instituts erarbeitet. Vorrangig sei zunächst jedoch die Entscheidung, welcher HU-Fakultät die Islam-Professuren zugeordnet werden. Ein solcher Beschluss stehe auch für das geplante Institut für Katholische Theologie an, das nach Verlagerung des Seminars für Katholische Theologie der Freien Universität entstehen soll. Beide neuen Institute sollten dann in einem Zentrum für Theologie und religionsbezogene Forschungen zusammenarbeiten.

Nach Borgoltes Angaben sollen die Absolventen der Bachelor- und Master-Studiengänge des Islam-Instituts eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung erhalten, die sie zu einem Einsatz als Imame oder Religionslehrer qualifiziert. Bislang werden diese Stellen in Berlin in der Regel mit Theologen besetzt, die im Ausland ausgebildet wurden. Mit dem neuen Institut würde Berlin der sechste universitäre Standort in Deutschland, an dem islamisch-theologische Studien angeboten werden.