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Dienstag, 26.09.2017


"Die Fehler wurden viel früher gemacht"

Mazyek: Warnungen vor Erstarken der AfD zu lange ignoriert - Öffentlicher Diskurs ermöglichte der AfD Sprachrohr der Rassisten im Bundestag zu werden

Berlin (KNA) Nach dem Erstarken der AfD als drittstärkste Kraft bei der Bundestagswahl kritisiert der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, dass Warnungen vor der Partei lange ungehört geblieben seien. Er frage sich, warum die kritischen Stimmen nicht ernst genommen worden seien, sagte Mazyek am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Nicht nur die muslimische Community sei nicht erst seit heute besorgt, auch der Zentralrat der Juden in Deutschland habe sich in der Vergangenheit entsprechend geäußert. Es gebe Probleme, die hausgemacht seien."Wir Muslime sind stark verunsichert", sagte Mazyek. "Es gibt nicht wenige, die Angst haben vor den Entwicklungen." Damit meine er etwa Übergriffe auf Muslime, aber auch eine niedriger gewordene Hemmschwelle für Äußerungen, die gegen Muslime oder Minderheiten gerichtet seien. Früher habe man sich geschämt, gegen Minderheiten zu "hetzen" - das sei mittlerweile nicht unbedingt mehr so.

Mazyek sagte, er vermisse eine gesellschaftliche Ächtung solcher Äußerungen. "Die AfD setzt die Axt an unsere freiheitliche Demokratie an."Es gelte nun, sich mit dem Menschenbild der AfD auseinanderzusetzen: eine Verachtung von Minderheiten, mangelnde Solidarität und eine Spaltung der Gesellschaft, sagte Mazyek.
Zudem müsse deutlich gemacht werden, dass man Ängste der Bevölkerung nicht ignoriere. Politiker anderer Parteien dürften zudem nicht "AfD-Rhetorik nachplappern", sondern sollten zusammenstehen.

In einem Gastkommentar im Tagesspiegel sagte der ZMD Vorstandsvorsitzende Mazyek: "Es gab immer Rassisten in Deutschland (so wie leider in jedem Land). Früher haben diese und ihre Mitläufer sich geschämt offen gegen Minderheiten zu hetzten, heute nicht, im Gegenteil sie haben jetzt eine parteiliche Heimat.
Die gesellschaftliche Ächtung bröckelt, wer sich antisemitisch oder islamfeindlich äußert hat heute kaum noch was zu befürchten, Geschichtsklitterung inbegriffen.

Der AfD-Diskurs wurde bewusst oder unbewusst von den Massenmedien insbesondere den Öffentlich-Rechtlichen und Boulevard-Blättern mitgetragen, sie haben entscheidend zum Erfolg dieser rechtsextremen Partei beigetragen. Unruhige Zeiten stehen den Muslime und andere Minderheiten in unserem Land bevor."