Newsnational Freitag, 19.05.2017 |  Drucken

Bischof Dröge: Berliner Neutralitätsgesetz verfassungswidrig

Widerspruch der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts - Dröge fordert Toleranz für das Tragen religiöser Symbole (überkonfessionell)

Berlin (KNA) Der evangelische Bischof Markus Dröge hält das Berliner Neutralitätsgesetz für verfassungswidrig. Im Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" (Freitag) kritisierte er die Regelung, "grundsätzlich alle religiösen Zeichen in den Klassenräumen zu verbieten". Wörtlich betonte der Berliner Bischof: "Für mich ist das nicht im Geiste des Grundgesetzes."

Zudem widerspreche es der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. "Der Staat hat der Religion gegenüber eine fördernde Neutralität zu wahren - und nicht eine verdrängende", mahnte Dröge.

Der Bischof äußerte sich anlässlich des Falls einer evangelischen Lehrerin, die nach einem Kreuz auch ein Fischsymbol nicht an einer staatlichen Schule tragen darf. Hier nehme die Forderung nach staatlicher Neutralität "absurde Züge" an, sagte Dröge. "In diesem Fall hat das sogar einen speziellen Geschmack." Der Fisch sei in der Verfolgungszeit der Christen deren Erkennungszeichen gewesen, "weil sie das Kreuz nicht zeigen durften". Dröge wies das Argument zurück, das Tragen eines solchen Symbols schade dem Schulfrieden. Es sei vielmehr Aufgabe einer pädagogischen Einrichtung, "daran zu arbeiten, dass Toleranz für das Tragen solcher Symbole geschaffen wird".

Der Bischof nannte es "auch eine Leitkultur", Kinder und Jugendliche Toleranz zu lehren. Eine solche Leitkultur dürfe aber nicht bedeuten, "christliche Symbole in irgendeiner Form zu bevorzugen". Dröge räumte ein, dass nicht jegliche Form religiös motivierter Kleidung akzeptabel sei. "Die Vollverschleierung geht natürlich nicht, weil sie den Unterricht unmöglich macht." Eine Lehrerin müsse "in ihren Gesichtszügen erkennbar sein". Das Verbot einer Burka könne aber "nur funktional begründet werden".

Dröge rief die evangelischen Lehrerinnen und Lehrer auf, ihn zu informieren, wenn sie mit dem Neutralitätsgesetz in Konflikt kommen, "um die Probleme in unsere Gespräche mit dem Senat einzubringen". Er baue weiterhin auf die Einsicht der Politik, das Gesetz so zu verändern, "dass es christlichen Lehrern erlaubt ist, ihr Kreuz zu tragen und auch muslimische Lehrerinnen mit einem Kopftuch in die Schule kommen dürfen".





Wollen Sie einen
Kommentar oder Artikel dazu schreiben?
Unterstützen
Sie islam.de
Diesen Artikel bookmarken:

Twitter Facebook MySpace deli.cio.us Digg Folkd Google Bookmarks
Linkarena Mister Wong Newsvine reddit StumbleUpon Windows Live Yahoo! Bookmarks Yigg
Diesen Artikel weiterempfehlen:

Ramadan 2017

Ramadan 2017

Der erste Fastentag von Ramadan ist am Samstag, der 27. Mai 2017. Der erste Tag des Festes des Fastenbrechens (Id Ul-Fitr) ist somit Sonntag, der 25. Juni 2017.

KRM  Ankündigung:  (auf Deutsch)
                              (auf Arabisch)

Warum fasten Muslime?
- Ramadan Sonderseite

Anzeige

Hintergrund/Debatte

Wenn Stereotypen die gesellschaftliche Auseinandersetzung ersetzen – von Storchs Forderungskatalog zu Muslimen
...mehr

ITB Berlin startet Marketing-Allianz mit größter Messe für Halal-Tourismus in Abu Dhabi
...mehr

"Reicht es nicht, wenn Özil vor dem Spiel für Deutschland betet" - die absurde Debatte über die Leitkultur. Kommentar von ZMD Vors. Aiman Mazyek
...mehr

"Moschee für Kölle" - Zentralmoschee kurz vor Inbetriebnahme
...mehr

Aftermovie "Kongress der Allianz für Weltoffenheit" (04 Mai. 2017)
...mehr

Alle Debattenbeiträge...

Die Pilgerfahrt

Die Pilgerfahrt (Hadj) -  exklusive Zusammenstellung Dr. Nadeem Elyas

88 Seiten mit Bildern, Hadithen, Quran Zitaten und Erläuterungen

Termine

Islamische Feiertage
Islamische Feiertage 2015 - 2019

Tv-Tipps
aktuelle Tipps zum TV-Programm

Gebetszeiten
Die Gebetszeiten zu Ihrer Stadt im Jahresplan

Der Koran – 1400 Jahre, aktuell und mitten im Leben

Marwa El-Sherbini: 1977 bis 2009