Newsnational Dienstag, 13.09.2016 |  Drucken

Prominente deutsche Katholiken kritisieren Flüchtlingspapier der CSU scharf

Papier bedient Vorurteile und vereinfacht politische Forderungen unsachlich, laut Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg (CDU)

Prominente Vertreter der katholischen Kirche kritisieren
die Flüchtlingspolitik der CSU scharf. Der Kölner Kardinal Rainer
Woelki wirft der Partei eine Spaltung der Gesellschaft vor. Der
Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas
Sternberg (CDU), hält den Forderungskatalog der Partei für
unverantwortlich und gefährlich. Der Provinzialobere der deutschen
Jesuiten, Pater Stefan Kiechle, warnt die CSU vor einer Annäherung an
die AfD.

Mit Forderungen nach Obergrenzen oder einer Bevorzugung von
Zuwanderern aus dem «christlich-abendländischen Kulturkreis» trage
die Partei zur Polarisierung bei und betreibe das Geschäft der
Rechtspopulisten von der AfD, sagte Kardinal Woelki dem «Kölner
Stadt-Anzeiger»: Er halte nichts davon, «das nachzubeten, was andere
falsch vorgedacht haben».

Der Erzbischof rief die Partei zugleich zur Verfassungstreue auf:
«Wenn die CSU das Grundgesetz ernst nimmt, kann sie keine Obergrenze
verlangen. Das lässt das Asylrecht nicht zu.» Woelki warnte die
Partei zudem vor der Annahme, sie könne von einer Politik und
Rhetorik der Scharfmacherei profitieren: «Wer das will, was die CSU
propagiert, wählt am Ende gleich die AfD. Sie wird der lachende
Dritte sein.»

ZdK-Chef Sternberg sagte im Deutschlandfunk, er sei «entsetzt»
darüber, dass das Papier Vorurteile bediene und politische
Forderungen unsachgemäß vereinfache. Statt Ängste zu bedienen, sei
Sachlichkeit gefragt und keine «verwilderte politische Diskussion».

Wenn es ernsthaft darum ginge, Flüchtlinge in Christen und Muslime zu unterteilen, wiederspräche das den Werten des Christentums und der christlichen Vorstellung von Humanität. «Das wäre
auch eine Ungeheuerlichkeit» und eine «antichristliche Position».

Kiechle sagte auf domradio.de, hinter vielen Forderungen der CSU etwa
nach Obergrenzen oder einem Burka-Verbot stecke vor allem die «Angst,
Wählerstimmen nach rechts zur AfD zu verlieren». Er könne sich nicht
vorstellen, «dass der Schuss richtig gezielt ist. Ich glaube, er wird
nach hinten losgehen.»

Er wolle sich zurückhalten darin, eine Politik als christlich oder
nicht-christlich zu beurteilen, erklärte der Jesuit: «Ich persönlich
muss aber sagen, dass eine andere Willkommenskultur für Menschen in
schwerer Not eigentlich ein urchristliches Anliegen wäre.»

Sternberg sieht ein Hauptproblem darin, dass in der Debatte vieles
durcheinandergeworfen werde, etwa Fragen von Zuwanderung,
Flüchtlingshilfe und Integration. Mit Schlagworten wie Obergrenze,
Burkaverbot oder Leitkultur präsentiere man Scheinlösungen, die fern jeder Lebensrealität und gar nicht umsetzbar sind.

Der CSU-Vorstand hatte am Samstag sein Flüchtlingspapier einstimmig
verabschiedet, allerdings zuvor die besonders umstrittene
Vorrang-Regelung für Zuwanderer aus dem «christlich-abendländischen
Kulturkreis» geändert. Diese solle nur für die klassische
Einwanderung gelten, aber nicht für die Asyl- und Flüchtlingspolitik.

(KNA und Eigene)




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