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Freitag, 04.03.2016


Den Osten bei der Flüchtlingshilfe nicht alleine lassen

ZMD startet Aufbau-Patenschaften für Ostdeutschland

Die Moscheegemeinschaften des ZMD sind seit vielen Monaten unermüdlich für die Flüchtlingshilfe aktiv.  Sie leisten Ersthilfe, helfen bei Behördengängen und sind als Integrationslotsen tätig. Was im Großteil der Republik trotz Überlastung, Ehrenamtlichkeit und mangelnder finanzieller Unterstützung gut funktioniert, ist im Osten ein Problem. In vielen Dörfern und Städten östlicher Bundesländer gibt es keine Moscheen und keine islamische Infrastruktur. Von den großen Verbänden hat der ZMD mit vier Moscheen und nochmals ebensoviel Mitgliedsanwärter noch die meisten Gemeinden; dies ist aber im Verhältnis noch immer sehr wenig  

Beispiel Landkreis Märkisch-Oderland: Hier leben 190.000 Einwohner, die momentan 2.221 Flüchtlinge aufgenommen haben. „Wir wollen diese Flüchtlinge hier behalten“, erklärte Thomas Berendt, Migrationsbeauftragter des Landkreises in einem Gespräch mit ZMD - Vorstandsmitglied Hamza Wördemann. Aufgrund des demographischen Wandels sind besonders die östlichen Länder dringend daran interessiert, jungen Nachwuchs und Familien in ihre Gemeinden zu bekommen.   Auch Frank Schütz, Bürgermeister in Golzow und Mitglied des Kreistages, hat das erkannt. 

Sein 850 Einwohner Dorf hat vor kurzem drei Familien mit 16 Familienmitgliedern aufgenommen. Um die Integration zu fördern, wurden die drei Familien auf das ganze Dorf verteilt und in die deutschen Sitten und Gewohnheiten eingewiesen. Es sind Kleinigkeiten, die dabei helfen, die Akzeptanz in der deutschen Bevölkerung zu erhöhen.  Die „Angst vor dem Fremden“ muss nicht immer ein Ausdruck von Fremdenfeindlichkeit sein. Es kann sich auch um eine Art von Misstrauen handeln, das leicht abbaubar ist.   

„Wir haben den Flüchtlingen das Prinzip des gelben Sacks erklärt“, bestätigte Thomas Berendt, „denn die Mülltrennung ist den Deutschen sehr wichtig“. Bürgermeister Schütz verweist auf das Potsdamer Toleranzedikt von 1865, als zum ersten Mal Flüchtlinge willkommen geheißen wurden.  

Der Osten hat aber ein Problem: Wer soll sich um die beiden Hauptaufgaben, Akzeptanz und Integration kümmern? Ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuer, Integrationslotsen, Kulturdolmetscher gibt es nur wenige, weil es keine oder nur sehr wenige Moscheegemeinden gibt.  

Diverse Vorschläge des ZMD - Vorstandsvorsitzenden Aiman Mazyek, Integrationslotsen und mobile Kompetenzzentren in die östlichen Bundesländer zu versenden, wurden bislang nicht vom Staat finanziell unterstützt.  
Deshalb hat der ZMD das Maßnahmenpaket „Aufbau-Patenschaften“ für Ostdeutschland entwickelt, welches im Juli 2016 beginnen soll.

1. Der ZMD wird den auf der Darmstädter Flüchtlingskonferenz vorgestellten „Flüchtlingsguide“ kostenlos allen Gemeinden und Städten Ostdeutschlands zur Verfügung stellen.  
2. Die ZMD - Stabsstelle „Islamische Wohlfahrt“ steht allen Gemeinden und Städten als Ansprechpartner für Unterstützung in den Bereichen Akzeptanz und Integration zur Verfügung.  
3. Im September 2016 soll zu einem Strategie-Workshop „Aufbau-Patenschaften Ostdeutschland“ nach Berlin eingeladen werden. Teilnehmer sollen Vertreter von Gemeinden und Städten, Integrationsbeauftragte, Flüchtlingshelfer und Vertreter der ZMD - Moscheegemeinschaften aus ganz Deutschland sein.  
4. Die ZMD Moscheegemeinschaften werden gebeten, „Gebietspatenschaften“ für ostdeutsche Regionen zu übernehmen, in denen keine muslimische Infrastruktur besteht. So könnte sich z.B. eine Gemeinde aus Wuppertal um einen Landkreis in Brandenburg und eine Gemeinde aus Köln um einen Landkreis in Mecklenburg-Vorpommern kümmern. Diese „Aufbau-Patenschaften“ orientieren sich teilweise am Vorbild der Städtepartnerschaften und ermöglichen eine intensive und nachhaltige Zusammenarbeit.  

Da es nicht nur darum geht, den Flüchtlingen zu helfen, sondern den demographischen Niedergang in den ostdeutschen Ländern zu bekämpfen, werden umfangreiche strukturelle und finanzielle Unterstützungen durch den deutschen Staat erwartet.