Newsnational Sonntag, 19.05.2013 |  Drucken

Goethe und der Islam – Eine „Orient“-ierung

Goethe-Gesellschaft Weimar beschäftigt sich auf ihrer nächsten Hauptversammlung intensiv mit der Gegenwartsdebatte Religion

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) bietet nach Aussage des Weimarer Literaturwissenschaftlers Jochen Golz stets neue Ansatzpunkte zu Gegenwartsdebatten. „Das Thema Religion und Religiosität steht heute sehr im Zentrum aktueller Diskussionen und des allgemeinen Interesses“, sagte der Präsident der Goethe-Gesellschaft Weimar in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Es ist eine Zeit, in der Werte ins Wanken geraten und es an Orientierung mangelt.“ Menschen suchten nach Lösungen, auch in Religionen. „Dabei bietet Goethe in seiner Haltung zu religiösen Glaubensfragen in vieler Hinsicht eine gute Orientierung“, betonte Golz. „Goethe und die Weltreligionen“ sei deshalb das zentrale Thema der am kommenden Mittwoch beginnenden 83. Hauptversammlung der Gesellschaft in der Klassikerstadt.

Dass dabei sich Goethe ernsthaft und mit Sachverstand mit dem Islam beschäftigt hat, dafür ist sein Werk, der „West-östlichen Divan“ ein beredetes und meisterhaftes Zeichen. Eine Kostprobe (s.Kasten)

„Närrisch, daß jeder in seinem Falle/Seine besondere Meinung preist! /Wenn Islam Gott ergeben heißt, /Im Islam leben und sterben wir alle.“

Diese Verse vom großen und bibelfesten Dichterfürsten bewegen auch deshalb, weil es einmal mehr deutlich macht, wonach der Islam selbst im 18. Jahrhundert gar nicht so eine unbekannte Religion gewesen zu sein scheint, wie oft behauptet wird.

Unzweifelhaft prägte das Christentum die europäische Geistesgeschichte seit dem frühen Mittelalter, man denke auch an die Reformation, die Aufklärung (als Reaktion auf den christlichen Absolutismus) oder die christliche Soziallehre. Das Europäische Abendland hat selbstverständlich maßgebende christliche Wurzeln, keiner sollte das in Abrede stellen. Die griechischen, jüdischen und muslimischen Wurzeln sollt man ebenfalls nicht verschweigen.

Eine große Kulturnation, zu der Deutschland zu zählen ist, zeichnet sich durch Offenheit und Respekt gegenüber anderen Kulturen aus. Das hält sie lebendig und frisch. Das wusste der eben zitierte, Goethe genauso wie sein Kollege Herder und der Aufklärer Lessing. Sie waren sich bewusst, dass die drei monotheistischen Religionen gleichen Ursprungs sind und allesamt nicht aus Brandenburg, sondern aus dem Morgenland stammen.



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