Leserbriefe Donnerstag, 19.11.2009 |  Drucken

Leserbriefe



Marwan Hassan schrieb:
Ich kann nicht mehr sachlich bleiben!


Nun habe ich doch einige Beiträge in den Leserbriefen geschrieben und stets versucht die Aussagen mit Zitaten und Argumenten zu belegen. Doch die letzten Ereignisse und der dramatische Tod von Marwa, welche den gleichen Namen wie ich trägt, macht mir einfach Angst, auch wenn ich keine Frau bin und nie wegen einem Kopftuch eine Zielscheibe sein kann.

Wohin, wenn die Gesellschaften in Europa völlig durchdrehen und beginnen uns öffentlich zu verfolgen? Ich muss manchmal an das Moorhuhn Spiel denken. Wisst ihr noch damals, da waren alle verrückt danach. Was ist wenn Muslime öffentlich die Moorhühner der Gesellschaft werden?

Dass sich empirisch feststellen lässt, dass jeder zweiter Europäer den Islam als eine Religion der Intoleranz verurteilt ist der Witz des Jahrhunderts. So viel Intoleranz und Hetze wie die Muslime derzeit von den Europäern, bis hin zu Angriffen auf den Straßen und Mord im Gerichtsaal ist gewiss kein Zeichen von einer toleranten Gesellschaft. Und dann hat man auch noch den Mut den Islam als Religion der Intoleranz zu stigmatisieren. Wo führt das nur hin!

Ich will eine Antwort! WO FÜHRT DAS NUR HIN!

Deutschland, Deutschland es gab schon einmal in unserer Geschichte eine Hetze die zum Schrecken eskalierte. Der 9-10 November ist gerade ein paar Tage her und das bittere Ereignis, welches unseren Cousins in Deutschland in dieser Nacht angetan wurde, hatte auch eine Geschichte der Hetze und Verfolgung hinter sich. Wohin es letztendlich führte sollte jedem bekannt sein!

Letztens war ich zwei Wochen in der Klinik. Jeder hatte zu Tisch was privates dabei. Der eine Nutella, der andere Marmelade von der Oma usw. Ich, der keine Schweinewurst isst, erlaubte mir zwei Packungen Geflügelwurst von Plus zu kaufen. Die Damen am Tisch gegenüber drehten sich dann um, und eine die sich offensichtlich als Advokat der deutschen Kultur betrachtete sagte in einem absolut frechen Ton: "Sie haben sich anzupassen und sich zu integrieren!" Und sie zeigte auf meine Wurst. "Sind sie etwas besonderes, um dies hierher mitzubringen?!"

Mein Gott, was ist geschehen?! Wo führt diese Hetze hin. Das schlimmste war, dass keiner der Anwesenden der Frau sagte, dass sie sich zu benehmen hatte. Man schwieg einfach und knabberte still weiter am Abendbrot. Ich musste also der Frau erklären, dass ich die gleichen Rechte wie alle anderen hier habe und dass ich mir auch etwas mitbringen will ohne über Integration und sonstigen Kram etwas hören zu müssen. Ich sagte der Frau, dass ich scheinbar was besonderes bin, denn nur meine Mitbringsel werden selektiv wahrgenommen.

Was soll ich meinen Kinder sagen?

Ich will, dass man mir eine Antwort gibt. Ich habe die Nase voll und es satt ständig mir selbst vorzugaukeln, dass es sich dabei um Einzellfälle handelt. Die Einzellfälle häufen sich und es scheint, dass jeder zweite einer dieser Einzelfälle ist, wenn man dem Artikel glauben schenkt.

Wo sollen wir hingehen, wenn die Gesellschaft die Selbstbeherrschung verliert. Sollen wir Haus und Gut, Arbeit und Freunde verlassen und fliehen? Kann mir jemand endlich sagen, ob die Zukunft meiner Kinder hier sicher sein wird? Hätte ich vielleicht doch den Namen meines Deutschen Großvaters angenommen, so dass meine Kinder keinen Nachteil erleben? Ich weiß es einfach nicht mehr!

Glaube ist Einfachheit! So das islamische Dogma. Aber es ist verdammt schwer als Muslime in Deutschland zu leben. Und wehe du äußerst dich darüber, dann kommt die Keule: "Wenns so schwer ist, was suchst du dann hier". Denn du kannst noch so Deutsch sein wie du willst, wenn du einen arabischen Namen trägst, dann wirst du als Ausländer wahrgenommen: "Oh, sie sprechen ja fast akzentfrei?!" (Betonung auf "fast").
Und dass von Menschen die 20 Jahre jünger sind und demzufolge auch so viele Jahre weniger Deutsch gesprochen haben.

Es ist schwer, es ist sehr schwer!

Die Frauen die sich für das Kopftuch entscheiden sind wahrlich tapfere Frauen!

Bezogen auf: Tödliches Risiko Kopftuchtragen
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