Leserbriefe Dienstag, 13.10.2009 |  Drucken

Leserbriefe



Marwan Hassan schrieb:
Grüne mit zwei Zungen


Da sieht man mal wieder wie differenziert die Aussagen aus einer einzigen Partei stammen können.

Hier heißt es, dass der religionspolitischer Sprecher der Grünen "Josef Winkler" das Urteil ausdrücklich begrüßt. Das ist auch gut so, denn die Auffassung, dass nun auch Schüler "religiös neutral" sein sollen ist absoluter Unsinn. Das soll die ehrbare Schulleiterin doch bitte meiner Tochter erklären, die im evangelischen Religionsunterricht sitzen muss, weil es keinen Islamunterricht gibt und weil die Lehrerin mir mit so vielen Vorurteilen gegen Muslime vorgetreten ist, dass ich meine Tochter lieber dem freundlichen evangelischen Pfarrer anvertraute. Oder soll sie doch auch gleich allen muslimischen Kindern die zu Weihnachten an die Männlein mit Kapuze und weißem Bart stehen sehen versuchen zu erklären, dass religiöse Symbole und Riten in Schulen verbannt sind. Nicht dass es mich stört, ganz im Gegenteil, ich feiere alles mit was man feiern kann. Weihnachten ganz besonders! Aber dass Schüler religiös neutral sein sollen ist völliger Unsinn und dieser Anspruch wird nur erhoben, wenn es um muslimische Schüler geht. Es ist eine Schande, dass so etwas überhaupt zum Gericht kommen musste!

Aber horch horch, was sagt da ein anderer Grüner: "Das Urteil irritiert mich. Es ist weltfremd und fern der Realität unserer Gesellschaft. Es wird der Integration schaden, weil es die Gefahr in sich birgt, ein Präzedenzfall zu werden. Im Koran steht ausdrücklich, dass Gebete und Fasten nachgeholt werden können, wenn man verhindert ist, zum Beispiel aufgrund von Reisen oder dienstlichen Terminen. Mir ist kein anderes Land außer dem Iran bekannt, das Gebetsräume an staatlichen Schulen vorsieht."

Ich möchte Herrn Özcan Mutlu, dem bildungspolitischer Sprecher der Grünen, der auch diesen Unsinn von sich gegeben hat aufklären:

A) Im Koran steht nicht, dass man die Gebete nachholen kann, wenn man verhindert ist, sondern, dass die Gebete zu ihren Zeiten stattfinden sollen. Eine Erleichterung durch die Sunna ist bei Reisen oder schwerwiegenden Behinderungen, das ist aber gewiss nicht die Mittagspause in der Schule!

B) Ich habe in einigen muslimischen Ländern gelebt und überall war es üblich, dass die Schüler, egal ob christlich oder muslimisch ihren religiösen Pflichten nachgehen dürfen. Nur in der Türkei tut man es sich damit schwer. Herr Mutlu scheint zu denken, dass die Türkei der Maßstab muslimischer Länder ist.

C) Zu behaupten, dass es nur so in Iran ist, ist ein Spielen mit dem öffentlichen Diskurs der Iran schließlich zum Buh-Land der Welt macht und die Welt in böse Muslime und gute Anderen teilt.

Herr Mutlu sollte nicht um jeden Preis das Wohlwollen seiner nichtmuslimischen Mitbürger suchen. Damit macht er sich nicht populär und jeder Bürger mit ein bisschen Durchblick erkennt was dieser anstrebt. Da hat der grüne religionspolitischer Sprecher der Grünen "Josef Winkler" offensichtlich mehr Erfahrung, Toleranz und Bildung als Herr Mutlu. Allerdings auch die Kirchen und andere Religionsgemeinschaften heißen das Urteil willkommen.


Bezogen auf: Grundsätzlich darf in der der Schule gebetet werden
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