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Samstag, 11.07.2009

Srebrenica: Völkermord an Muslimen niemals vergessen - "Khuttba" des Raisu-l-ulama Dr. Mustafa Cerić

Europäischer Gedenktag für die Opfer des Massakers in Srebrenica

Die offizielle Gedenkveranstaltung findet heute um 12.00 Uhr,vor dem Deutschen Bundestag statt.
Das EU-Parlament hat in diesem Jahr beschlossen, den 11. Juli zum europäischen Gedenktag für die Opfer von Srebrenica zu machen. Deutschland wird als einziger EU-Mitgliedsstaat eine größere Aktion veranstalten.

Anlässlich dieses denkwürdigen Tages - an der auch an dem Mord an Marwa El-Sherbini im Rahmen eine Trauerfeier in Dresden gedacht wird - veröffentlichen wir die vollständige Freitagspredigt des Großmuftis von Bonsien Dr. Mustafa Ceric.
Zudem die Freitagpredigt über Srebrenica und Dresden geschprochen von Imam Benjamin Idris aus Penzberg im unteren link:



Präsenz des Judentums, des Christentums und Islam gehört zu Europa - trotz und gerade nach dem Massaker in Srebrenica

Liebe Brüder und Schwestern,
Die Präsenz des Islams in Europa ist ebenso natürlich wie die Präsenz des Judentums und des Christentums in Europa.
Keiner der Gesandten Gottes ist europäischen Ursprungs. Daher hat niemand einen Anspruch auf Vorrang seines Glaubens im Land Europa. Alle drei Abrahamischen Traditionen – Judentum, Christentum und Islam – gehören zu Europa, und damit hat Europa das Recht – nein, die Verpflichtung – sie als die eigenen zu behandeln.

Der Islam ist über zwei hauptsächliche Wege nach Europa gelangt: über das Tor der Iberischen Halbinsel im 8. Jahrhundert und über das Tor des Balkan im 14. Jahrhundert.
Acht Jahrhunderte islamischer Präsenz in Andalusien, Spanien, haben eine einzigartige Tradition religiöser und kultureller Toleranz, ebenso wie akademischer Freiheit geschaffen, die Europa maßgeblich vorangebracht hat auf dem Weg zu Humanismus und Renaissance.

Unglücklicherweise hat der Gedanke der Toleranz aus Andalusien in der europäischen Geschichte nicht überlebt.
Durch die Gnade Allahs hat der Islam auf der Balkanhalbinsel überlebt, trotz der Bedrängnisse, denen die Muslime im letzten Jahrhundert ausgesetzt waren und von denen die schwerste der Völkermord im Juli 1995 in der bosnischen Stadt Srebrenica darstellt, die damals eine Schutzzone der Vereinten Nationen auf Grundlage einer Resolution des UN-Sicherheitsrates war.

Während mehrtägiger Massaker wurden über 8.000 muslimische Männer und Jungen, die in diesem Gebiet Sicherheit unter dem Schutz der Schutztruppe derVereinten Nationen UNPROPFOR gesucht hatten, summarisch exekutiert von serbischen Truppen unter dem Kommando von General Mladić und von paramilitärischen Einheiten, einschließlich serbischer irregulärer Polizeieinheiten, die von Serbien aus in bosnisches Gebiet eingedrungen waren.
Annähernd 25.000 Frauen, Kinder und ältere Menschen wurden gewaltsam deportiert, sodass dieses Ereignis zum größten Kriegsverbrechen wurde, das in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stattgefunden hat.
Das Europäische Parlament hat es deshalb für angebracht erachtet, mit der Einsetzung des 11. Juli als Gedenktag in geeigneter Weise den Opfern des Völkermords von Srebrenica Achtung zu bezeugen.

So hat das Europäische Parlament mit dem Mehrheitsvotum seiner 565 Abgeordneten die Resolution vom 15. Januar 2009 zu Srebrenica angenommen, in der es aller Opfer der Gräuel gedenkt und ihnen Achtung erweist; den Familien der Opfer, von denen viele ohne endgültige Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen leben müssen, sein Mitgefühl ausspricht und seine Solidarität mit ihnen bekundet; anerkennt, dass dieser fortdauernde Schmerz noch dadurch vergrößert wird, dass die für diese Taten Verantwortlichen bislang nicht der Rechtsprechung überantwortet wurden.
Das Europäische Parlament fordert auch den Rat und die Kommission auf, des Jahrestags des Völkermords von Srebrenica-Potočari in angemessener Weise zu gedenken, indem sie die Anerkennung des 11. Juli als Tag des Gedenkens an den Völkermord von Srebrenica in der gesamten EU durch das Parlament unterstützen, und alle Länder des westlichen Balkans dazu aufzurufen, dasselbe zu tun.
Die Opfer von Srebrenica wissen, dass sich die Vergangenheit nicht ändern lässt, aber sie wissen auch die Anerkennung ihres Schmerzes durch die EU zu schätzen als ein gutes Zeichen, dass Völkermord in der Zukunft an niemandem mehr wiederholt werden wird.

Bittgebete für all die Ermordeten und unschuldigen Opfer

Nicht nur Muslime in Europa, sondern alle Menschen guten Willens kennen an, dass das Opfer unschuldiger Jungen aus Bosnien nicht umsonst war.

Dies genau lehrt uns der Heilige Koran:
Unser Herr, gib uns, was Du uns durch Deine Gesandten verheißen hast, und stürze uns am Tag der Auferstehung nicht in Schande. Siehe, Du brichst Dein Versprechen nicht. – Ich lasse keine Tat von euch verloren gehen, sei es von einem Mann oder einer Frau. Die einen von euch stammen ja von den anderen. Und diejenigen, die da auswanderten und aus ihren Häusern vertrieben wurden und auf Meinem Wege litten und kämpften und fielen – wahrlich ich will ihre Missetaten vergeben und wahrlich, Ich will sie in Gärten führen, durcheilt von Bächen, als Lohn von Allah, und Allah – bei Ihm ist der schönste Lohn. (3:194-195, übers. M.W. Hofmann)
Und genau darum möchten wir alle Moscheen in Europa und alle Menschen guten Willens bitten, in unser Gebet am 11. Juli Mittag in Srebrenica/Potočari einzustimmen, dort wo die Überreste von Hunderten unschuldiger muslimischer
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Männer und Jungen begraben werden. Dieses Gebet drückt unsere Hoffnung aus, dass unsere Zukunft besser sein wird als unsere Vergangenheit, und dass unsere Kinder keine Angst vor Völkermord haben müssen.
Ihr Menschen, wer immer und wo immer ihr seid, gedenkt, dass Gott uns alle in derselben Art und Weise geschaffen hat, damit wir gemeinsam aufrichtig beten:
Oh Gott,
Lass uns nicht von Erfolg getäuscht
Oder durch Scheitern entmutigt werden!
Erinnere uns, dass Scheitern eine Versuchung ist,
Die dem Erfolg voraus geht!
Oh Gott,
Lehre uns, dass Toleranz
Der höchste Grad von Stärke,
Und das Bedürfnis nach Rache
Das erste Zeichen von Schwäche ist!
Oh Gott,
Wenn Du unseren Besitz fortnimmst,
Gib und Hoffnung! Wenn Du uns Erfolg schenkst,
Gib uns auch den Willen, Fehlschläge zu überwinden!
Wenn Du uns den Segen der Gesundheit vorenthältst,
Verleih uns den Segen des Glaubens!
Oh Gott,
Wenn wir gegen Menschen sündigen,
Dann gib uns die Kraft zur Entschuldigung!
Und wenn Menschen gegen uns sündigen,
Dann gib uns die Kraft zu verzeihen!
Oh Gott,
Wenn wir Dich vergessen,
Vergiss Du uns nicht!
Oh Gott,
Möge aus Trauer Hoffnung werden!
Möge aus Rache Gerechtigkeit werden!
Mögen aus den Tränen der Mütter Gebete werden!
Dass Srebrenica nie mehr geschieht! Niemandem, nirgendwo!




Lesen Sie dazu auch:

    -Freitagpredigt über Srebrenica und Dresden geschprochen von Imam Benjamin Idris
        -> (Freitagpredigt über Srebrenica und Dresden geschprochen)