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Mittwoch, 25.06.2008

Ilja Seifert (MdB) im islam.de-Gespräch über Behinderte

Der 1951 geborene Bundestagsabgeordnete Ilja Seifert (Die Linke) ist aufgrund eines Unfalls seit seinem 16. Lebensjahr querschnittsgelähmt. Der promovierte Literaturhistoriker und Lyriker gehörte von März bis Oktober 1990 der Volkskammer an. Er war von 1990-1994 und von 1998-2002 im Deutschen Bundestag. Seit 2005 ist Ilja Seifert wieder Mitglied des Bundestages. Zudem ist er freiberuflicher Sachverständiger für barrierefreies Leben und war 1990 Gründungspräsident des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland für Selbstbestimmung und Würde e.V., ABiD, seit 1999 ist der Bundestagsabgeordnete auch Präsident des Berliner Behindertenverbandes (BBV).

Aus seiner Sicht könne er nur zu gut verstehen, was es bedeute, gekränkt und verunglimpft wegen seiner Behinderung zu werden. Wenn zum Beispiel eine Schulklasse mit einem behinderten, im Rollstuhl sitzenden Klassenkameraden auf Klassenfahrt gehe, „schleppen die Schüler ihren behinderten Freund und Klassenkameraden.“ Wer von den nicht behinderten Menschen kann sich in die Seele des Behinderten versetzen? Der Behinderte kommt in eine Abhängigkeit, ja sogar in eine Nötigungssituation. Er will die Wege, die andere gehen, mit dem Rollstuhl zurücklegen. Leicht könne das Tragen des Rollstuhles „ganz schnell zum Zwang und zur Pflicht werden“, erklärte Ilja Seifert islam.de im Deutschen Bundestag.

Ein wunderschönes Erlebnis sei für ihn tagtäglich die Kuppel im Reichstag. Ursprünglich sei nicht daran gedacht worden, dass Menschen wie er sich dort fortbewegen können. Auf seine Anregung hin wurde eine Rampe für die „Rollis“, wie die Betroffenen es selber ausdrücken sowie für Kinderwagen gebaut. Heute sehe er, dass die meisten Besucher diesen Weg begehen, um sich innerhalb der Kuppel nach oben zu bewegen. Kaum einer habe gedacht, dass diese Rampe auch von den anderen Besuchern so geschätzt werde.

Ilja Seifert verwies auch darauf, dass es sich keinesfalls um einen „Gnadenakt“ handele, wenn Behinderte eigene Waschräume in Einkaufspassagen fänden oder es behindertengerechte Zugänge für die „Rollis“ gebe. Dieses Gesetzt gelte für alle Bereiche.

Zum Abschluss bemerkte Ilja Seifert, er ist immer zur Stelle, wenn es darum gehe, einen barrierefreien Zutritt zu verwirklichen. Da sei es egal, ob es sich um eine Schule, ein Amtsgebäude oder um ein Gotteshaus handle. Er bemerkte: „Ich setze mich für alle behinderten Menschen ein.“
Bei Gotteshäusern will der Bundestagsabgeordnete der Linken jetzt auch sein Augenmerk verstärken, „denn als Atheist hatte ich es noch nicht so oft mit den Kirchen, Moscheen, Tempeln zu tun.“ (Volker-Taher Neef, Berlin)